Du siehst ein Foto, und der Hintergrund verschwimmt zu einem weichen, fast malerischen Muster aus Lichtpunkten. Sofort denkst du: „Das will ich auch können!“ Dieses sanfte, unscharfe Spiel nennst du Bokeh. Es ist mehr als nur ein technischer Begriff. Bokeh ist das Gefühl, das ein Bild transportiert. Es lenkt den Blick genau dorthin, wo du ihn haben möchtest: auf dein Motiv. Vielleicht stehst du gerade vor deinem neuen Objektiv und fragst dich, wie du diese wunderschönen Unschärfen erzeugst. Keine Sorge, ich erkläre dir ganz in Ruhe, was Bokeh wirklich ist und wie du es ganz praktisch mit deiner Kamera umsetzt.
Bokeh fotografie verstehen: Was macht den Hintergrund so schön?
Bokeh kommt vom japanischen Wort „Boke“, was so viel wie „Verschwommenheit“ oder „Sehschwäche“ bedeutet. In der Fotografie beschreiben wir damit die ästhetische Qualität der unscharfen Bereiche eines Bildes. Es geht nicht nur darum, dass der Hintergrund unscharf ist. Eine unscharfe Wand ist unscharf, aber sie erzeugt selten schönes Bokeh. Es geht um die Form und die Wiedergabe der Lichtpunkte im Hintergrund.
Wenn du zum Beispiel eine Lampe oder Kerzenlicht fotografierst, siehst du im unscharfen Bereich runde oder polygonale Lichtkreise. Das ist das klassische Bokeh. Die Qualität dieser Kreise – wie weich, wie gleichmäßig sie sind – definiert gutes Bokeh. Viele Anfänger denken, Bokeh entsteht automatisch, wenn sie den Hintergrund unscharf machen. Das stimmt nur halb. Die Wahl des richtigen Werkzeugs spielt eine große Rolle.
Die drei Säulen des perfekten Bokehs
Um dieses sanfte, freistellende Element in deine Bilder zu bekommen, brauchst du im Grunde nur drei Dinge. Wenn du diese Stellschrauben verstehst, hast du die Kontrolle über deine Bokeh Fotografie.
- Die große Blendenöffnung: Das ist der wichtigste Faktor. Die Blende steuert, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Eine große Blende bedeutet eine kleine Blendenzahl (z.B. f/1.8 oder f/2.8). Je kleiner die Zahl, desto mehr „Bokeh“ kannst du erzeugen.
- Der Abstand: Der Abstand zwischen deinem Motiv und dem Hintergrund ist entscheidend. Je weiter der Hintergrund von deinem Hauptmotiv entfernt ist, desto unschärfer wird er. Stell dir vor, du fotografierst eine Person direkt vor einer großen Hecke. Wenn die Person nur zehn Zentimeter vor der Hecke steht, wird die Unschärfe gering sein. Steht die Person zehn Meter davor, wird der Hintergrund zu einem schönen Brei verschwimmen.
- Die Brennweite: Längere Brennweiten (Teleobjektive, z.B. 85mm oder 135mm) komprimieren die Perspektive stärker und unterstützen die Freistellung. Ein 50mm Objektiv bei f/1.8 erzeugt gutes Bokeh, aber ein 135mm Objektiv bei f/2.8 kann oft noch eindrucksvollere Ergebnisse liefern, weil es den Hintergrund stärker „heranholt“ und verzerrt.
Ausrüstung und Einstellungen für traumhaftes Bokeh
Ich weiß, das Thema Objektiv kann schnell kompliziert werden. Du brauchst aber nicht sofort das teuerste Glas, um schöne Effekte zu erzielen. Es geht darum, die Möglichkeiten deiner vorhandenen Ausrüstung zu erkennen. Wenn du spezifisch schöne „Lichtkügelchen“ für deine Porträts oder Makroaufnahmen suchst, achte auf diese Punkte.
Das richtige Objektiv wählen: Die Blende zählt

Wenn du gezielt nach Objektiven für die Bokeh Fotografie suchst, schaue immer auf die größte mögliche Blendenöffnung. Diese wird als Lichtstärke bezeichnet.
- Festbrennweiten sind oft deine besten Freunde: Objektive wie ein 50mm f/1.8 oder 85mm f/1.8 sind relativ preiswert und bieten riesige Blendenöffnungen. Das 50mm f/1.8 ist oft das erste Objektiv, das Fotografen für diesen Effekt kaufen – und das zu Recht.
- Achte auf die Blendenlamellen: Die Anzahl der Blendenlamellen im Objektiv bestimmt die Form der Lichtkreise. Mehr Lamellen (z.B. 9 oder 11) ergeben eher runde, weiche Lichtkreise. Weniger Lamellen (z.B. 5 oder 6) ergeben oft sechseckige oder achteckige Formen, was manche Fotografen auch mögen. Willst du das klassisch runde Bokeh, schau nach Objektiven mit vielen Lamellen.
Die Kameraeinstellung: Der Weg zur maximalen Unschärfe
Du hast dein Objektiv drauf, jetzt musst du die Kamera richtig einstellen. Vergiss den Automatikmodus. Du brauchst die manuelle Kontrolle oder zumindest den Blendenprioritätsmodus.
Dein wichtigster Schritt: Stell deine Kamera auf den Modus A (bei Canon) oder Av (bei Nikon/Sony) – das ist der Blendenprioritätsmodus. Nun wählst du die kleinstmögliche Blendenzahl (die größte Öffnung). Wenn dein Objektiv f/3.5 zulässt, wähle f/3.5. Wenn es f/1.4 zulässt, wähle f/1.4. Das ist der Schlüssel, um deine Hintergrundunschärfe optimal einzustellen.
Der Fokuspunkt: Fokussiere messerscharf auf dein Motiv – zum Beispiel auf die Augen bei einem Porträt. Sobald dein Fokuspunkt sitzt, ignoriere alles andere im Hintergrund, denn die Wahl des richtigen Blickwinkels und der Perspektive bestimmt maßgeblich die Wirkung deines Fotos. Die Kamera erledigt den Rest der Unschärfe automatisch, basierend auf deiner Einstellung und den Abständen.
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Praktische Tipps für Motive mit tollem Bokeh
Warte nicht auf das perfekte Sonnenlicht. Bokeh lässt sich hervorragend bei bestimmten Lichtsituationen einfangen. Hier sind einige Situationen, in denen du mit Leichtigkeit wunderschönes Bokeh erzeugst.
Bokeh im Porträt: Die Person hervorheben
Du möchtest deine Freundin oder deinen Kollegen isolieren und den Hintergrund verschwinden lassen. Gehe folgendermaßen vor: Um mehr Tiefe und Spannung im Bild zu erzeugen, kannst du auch mit Perspektiven spielen.
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- Maximaler Abstand zum Hintergrund: Bitte dein Modell, sich so weit wie möglich von einer Wand, einem Busch oder einem Zaun zu entfernen. Je mehr „Luft“ zwischen Modell und Hintergrund ist, desto besser.
- Gegenlicht oder Streiflicht: Wenn die Sonne leicht von der Seite oder von hinten auf das Motiv fällt, beleuchtet sie den Hintergrund schön. Wenn dein Motiv nun einen dunklen Wald als Hintergrund hat, erzeugen die hellen Stellen im Wald tolle Lichtpunkte, sobald du sie unscharf stellst.
- Kleine Lichter im Hintergrund: Dies ist der Klassiker. Suche nach Lichterketten, beleuchteten Fenstern in der Ferne oder Funkenflug. Diese kleinen, hellen Punkte werden bei großer Blendenöffnung zu den runden Bokeh-Kugeln, die du suchst.
Bokeh in der Naturfotografie: Details hervorheben
Auch wenn du keine Personen fotografierst, kannst du mit Bokeh arbeiten. Denk an Makroaufnahmen von Blumen oder kleinen Insekten. Hier ist der Fokus oft extrem nah am Motiv.
Bei Makroaufnahmen kann es schwierig sein, eine große Blendenöffnung zu nutzen, weil die Schärfentiefe dann fast nicht mehr existiert. Hier nutzt du oft eine mittlere Blende (z.B. f/5.6) und spielst stattdessen intensiv mit dem Abstand zum Hintergrund. Wenn du eine Biene auf einer Blüte fotografierst, und dahinter sind viele kleine, helle Blätter oder Wassertropfen, dann wird der Abstand zwischen Blüte und diesen Elementen entscheidend für das weiche Ergebnis deiner Naturfotografie mit Bokeh.
häufig gestellte fragen
brauche ich unbedingt eine teure spiegellose kamera für gutes bokeh?
Nein, das brauchst du nicht. Entscheidend ist die Lichtstärke deines Objektivs, nicht der Kameratyp. Ein älteres gebrauchtes DSLR-Modell mit einem lichtstarken 50mm f/1.8 Objektiv kann dir fantastisches Bokeh liefern. Konzentriere dich auf die Blendenzahl, nicht auf den Kamerabody.
kann ich auch bei tageslicht schönes bokeh erzeugen?
Ja, das geht, aber du brauchst oft eine extreme Entfernung zum Hintergrund oder sehr helle Lichtquellen im Hintergrund, die als kleine Punkte erscheinen. Wenn das Tageslicht sehr hell ist und du bei f/1.4 fotografierst, musst du eventuell einen Neutraldichtefilter (ND-Filter) verwenden, damit du nicht alles überbelichtest.
was ist der unterschied zwischen freistellen und bokeh?
Freistellen bedeutet, dass dein Motiv vom Hintergrund getrennt wird, indem der Hintergrund unscharf wird. Das ist das Ziel. Bokeh ist die ästhetische Qualität dieser Unschärfe – also wie diese Unschärfe aussieht, insbesondere die Form der Lichtpunkte. Du brauchst Freistellung, um Bokeh zu sehen, aber nicht jede Freistellung erzeugt schönes Bokeh.



