Du stehst vor deiner Kamera, das Licht wird schwächer oder du willst ein Lichtspiel einfangen, das viel länger dauert als eine normale Belichtungszeit. Vielleicht möchtest du Wasserfälle wie Seide aussehen lassen oder dramatische Lichtspuren von Autos ziehen. Dein Finger liegt auf dem Auslöser, aber du weißt: Ein normaler Klick reicht nicht. Genau hier kommt die Bulb-Einstellung ins Spiel. Viele Fotografen zögern anfangs, weil der Name etwas altmodisch klingt, aber keine Sorge. Ich erkläre dir ganz in Ruhe, was „Bulb fotografie“ wirklich bedeutet und wie du diese mächtige Funktion deiner Kamera meisterst. Es ist einfacher, als du denkst, und eröffnet dir völlig neue kreative Möglichkeiten in der Langzeitbelichtung.
Was genau ist die Bulb-Einstellung?
Der Begriff „Bulb“ stammt aus der Frühzeit der Fotografie. Damals mussten Fotografen eine Gummiblase (den „Bulb“) zusammendrücken, um den Verschluss für die Dauer der Belichtung offen zu halten. Heute ist es digital, aber der Name ist geblieben. Wenn du deine Kamera auf „Bulb“ stellst, passiert etwas Spezielles: Der Verschluss bleibt so lange offen, wie du den Auslöser gedrückt hältst – oder, was viel praktischer ist, solange der Fernauslöser aktiviert ist.
Wann brauche ich die Bulb-Einstellung wirklich?

Die meisten modernen Kameras bieten Zeiten bis zu 30 Sekunden an. Das reicht oft für Nachtaufnahmen oder leichte Langzeitbelichtungen. Aber was, wenn du 60 Sekunden, fünf Minuten oder sogar eine halbe Stunde belichten musst? Hier scheitert die manuelle Zeiteinstellung deiner Kamera. Wenn die gewünschte Belichtungszeit länger als die längste werkseitig eingestellte Zeit ist, ist Bulb dein bester Freund. Typische Situationen für die Bulb fotografie sind:
- Aufnahmen von Sternspuren am Nachthimmel.
- Das Glätten von stark bewegtem Wasser, wie bei Wasserfällen oder Meeresbrandung (Langzeitbelichtung mit ND-Filter).
- Dramatische Lichtmalereien (Light Painting) in der Dunkelheit.
- Experimentelle Aufnahmen, bei denen du die Szene über lange Zeit veränderst.
Die Vorbereitung: Dein Setup für eine gelungene Bulb-Aufnahme
Die Bulb-Einstellung funktioniert nur, wenn deine Kamera absolut ruhig steht. Das ist der erste und wichtigste Schritt. Jede noch so kleine Bewegung während einer Belichtung von mehreren Sekunden ruiniert das Bild. Vertraue mir, ich habe diese Lektion oft genug gelernt, indem ich versucht habe, freihändig zu fotografieren, obwohl es schon dunkel war.
VIDEO: Hoe werkt de bulb stand? (Vraag van de maand)
Stativ ist Pflicht
Du brauchst ein stabiles Stativ. Es muss fest stehen und darf auch bei leichtem Wind nicht wackeln. Wenn du im Freien fotografierst, achte darauf, dass du es nicht versehentlich anstupst. Dein Stativ ist die Basis für jede erfolgreiche Bulb Aufnahme.
Der Auslöser: Vermeide Kamerabewegung
Wenn du den Auslöser an der Kamera drückst, überträgt sich selbst dieser kleine Impuls auf den Sensor, besonders bei langen Belichtungszeiten. Um das zu umgehen, brauchst du einen externen Auslöser. Hier hast du mehrere Optionen, je nachdem, was deine Kamera unterstützt:
- Kabelfernauslöser: Das ist die traditionelle und sehr zuverlässige Methode. Er hat meist einen Knopf, den du drücken und arretieren kannst.
- Funkfernauslöser: Bequem, weil du nicht neben der Kamera stehen musst. Ideal, wenn du weiter weg bist oder wenn du Lichtmalerei machst.
- Selbstauslöser der Kamera: Wenn du nichts anderes hast, kannst du den internen Selbstauslöser auf 2 Sekunden Verzögerung stellen. Das gibt der Kamera Zeit, sich nach dem Drücken des Auslösers zu beruhigen. Bei sehr langen Zeiten ist das aber umständlich.
So stellst du die Bulb-Funktion richtig ein
Jetzt gehen wir ins Detail, wie du die Einstellung an deiner Kamera findest und aktivierst. Keine Sorge, jede Kamera ist da etwas anders, aber das Prinzip bleibt gleich.
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Schritt 1: Den Aufnahmemodus wählen
Wechsle in den manuellen Modus (M) oder den Zeitautomatik-Modus (Tv/A), auch wenn du später im Bulb-Modus manuell arbeiten wirst. Der M-Modus gibt dir die volle Kontrolle über Blende und ISO.
Schritt 2: Die Verschlusszeit finden
Suche das Einstellrad für die Verschlusszeit. Du scrollst durch die Zeiten (z.B. 1/4000s, 1/500s, 1s, 10s, 30s). Wenn du nach 30 Sekunden weiter drehst, landest du meistens auf dem Symbol, das wie ein „B“ aussieht. Das ist dein Bulb-Modus.
Schritt 3: Die Belichtungsdauer steuern
Im Bulb-Modus hält die Kamera den Verschluss offen, solange der Auslöser aktiv ist. Hier kommen dein Fernauslöser oder dein Kabelauslöser ins Spiel:
- Für kurze Bulb-Zeiten (z.B. bis 10 Sekunden): Drücke den Auslöser und halte ihn fest, bis die gewünschte Zeit abgelaufen ist. Sei hierbei ganz ruhig.
- Für lange Bulb-Zeiten (alles über 30 Sekunden): Drücke den Auslöser und schiebe den Knopf nach vorne oder drehe ihn, damit er einrastet (Lock-Funktion). Erst wenn du fertig bist, löst du die Verriegelung wieder. Die Kamera belichtet nun ohne dein Zutun weiter.
Die richtige Belichtung im Bulb-Modus finden
Das ist oft der kniffligste Teil der Langzeitbelichtung mit Bulb-Einstellung. Da du nicht einfach eine feste Zeit einstellen kannst, musst du experimentieren. Dein Belichtungsmesser der Kamera ist oft nicht mehr zuverlässig, wenn es sehr dunkel ist oder wenn sich sehr viel bewegt (wie bei Lichtmalerei).
Tipp 1: Die „Test-Belichtung“
Beginne mit einer Zeit, die deine Kamera noch ohne Bulb anzeigen würde, zum Beispiel 30 Sekunden. Mache ein Foto. Schau dir das Ergebnis an: Ist es zu dunkel? Dann musst du länger belichten. Ist es zu hell? Dann musst du die Blende weiter schließen oder die ISO senken.
Tipp 2: Die ND-Filter nutzen
Wenn du Wasserfälle fotografierst, ist es oft noch hell genug, dass 30 Sekunden dein Bild völlig überbelichten würden. Hier helfen dir Neutraldichtefilter (ND-Filter). Diese sind wie eine Sonnenbrille für dein Objektiv. Sie reduzieren das Licht, das auf den Sensor fällt, und erlauben dir, viel längere Verschlusszeiten einzustellen, selbst wenn die Sonne noch scheint. Ein guter 10-Stopp-ND-Filter ist Gold wert für die praktische Bulb fotografie.
Tipp 3: Die Blende und ISO bestimmen
Im Bulb-Modus kontrollierst du die Belichtungszeit mit dem Auslöser. Blende und ISO wählst du manuell. Für die meisten Nacht- und Langzeitaufnahmen gilt: Schließe die Blende (höherer f-Wert, z.B. f/8 oder f/11) für maximale Schärfe und geringe Lichtaufnahme. Halte die ISO niedrig (z.B. ISO 100 oder 200), um Bildrauschen zu vermeiden.
Häufig gestellte fragen
Wie lange kann ich mit der Bulb-Einstellung maximal belichten?
Theoretisch ist die Zeit unbegrenzt und nur durch die Akkuleistung oder die Speicherkapazität deiner Karte begrenzt. Praktisch hängt es davon ab, wie gut du die Bewegung kontrollierst und wie viel Bildrauschen du akzeptierst. Oft sind einige Minuten die Obergrenze für handhabbare Ergebnisse ohne spezielle Kühlung.
Muss ich den Auslöser die ganze Zeit gedrückt halten?
Nein, das musst du nicht, wenn du einen Kabelfernauslöser mit Verriegelungsfunktion besitzt. Du drückst und verriegelst den Auslöser, um die Belichtung zu starten, und löst die Verriegelung wieder, um sie zu stoppen. Das ist der große Vorteil gegenüber dem bloßen Draufdrücken bei kurzen Bulb-Zeiten.
Kann ich Bulb auch bei Tageslicht verwenden?
Ja, aber dann brauchst du zwingend sehr starke ND-Filter. Ohne sie würde bei den erforderlichen Belichtungszeiten von mehreren Sekunden das Bild komplett weiß werden. Die Bulb-Einstellung selbst ist nur der Mechanismus, um den Verschluss lange offen zu halten, nicht direkt eine Lichtkontrolle.



