Du fotografierst gerne und hast eine Geschichte zu erzählen? Vielleicht fragst du dich, wo deine Bilder am besten hinpassen. Du siehst diese beeindruckenden Fotos in Magazinen oder auf großen Online-Plattformen und denkst dir: Das möchte ich auch machen. Genau hier kommt die Editorial Fotografie ins Spiel. Es ist ein Bereich, der oft mysteriös klingt, aber eigentlich ganz nah an dem liegt, was viele Fotografen antreibt: Bilder machen, die etwas bedeuten und gesehen werden wollen. Lass uns ganz entspannt darüber sprechen, was diese Art der Fotografie wirklich ausmacht und wie du den Einstieg findest.
Was ist eigentlich Editorial fotografie?
Stell dir vor, du liest einen interessanten Artikel in einer Zeitschrift – vielleicht über eine neue Kunstbewegung, einen spannenden gesellschaftlichen Trend oder das Porträt eines ungewöhnlichen Menschen. Die Bilder, die diesen Text begleiten, sind meistens Editorial Aufnahmen. Im Kern geht es bei der Editorial Fotografie darum, Geschichten zu erzählen, die Redaktionen oder Verlage nutzen, um ihre Inhalte zu illustrieren oder zu bereichern. Es ist die Fotografie für Presse, Magazine, Zeitungen und große Online-Publikationen.
Im Gegensatz zur reinen Werbung, wo es darum geht, ein Produkt zu verkaufen, ist das Ziel der redaktionellen Fotografie die Information, die Dokumentation oder die emotionale Untermalung eines Sachverhalts. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn du für eine Reportage über das Leben in einer kleinen Stadt fotografierst, bedienst du die redaktionelle Linie. Du dokumentierst, zeigst Eindrücke und lieferst Material, das den Text unterstützt. Du bist der visuelle Geschichtenerzähler des Journalsismus.
Der Unterschied zu anderen Genres
Vielleicht fragst du dich, wo die Grenzen zur Modefotografie oder zur reinen Dokumentarfotografie liegen. Das ist berechtigt, denn es gibt Überschneidungen. Reine Dokumentarfotografie ist oft ungestellter und dient rein der Bewahrung der Realität. Die Editorial Fotografie nimmt sich oft mehr Freiheiten. Sie muss zwar wahrheitsgetreu sein, darf aber stilisiert, arrangiert und künstlerisch interpretiert werden, solange sie die Aussage des Artikels nicht verfälscht.
Nimm zum Beispiel ein Porträt. Ein reines Pressefoto zeigt vielleicht den Politiker bei einer Rede. Ein Editorial Porträt zeigt denselben Politiker vielleicht in seiner Umgebung, in einem bestimmten Licht, das seine Persönlichkeit unterstreicht – immer noch echt, aber bewusst inszeniert für die Geschichte. Wenn du überlegst, wie du deine Fähigkeiten im Bereich der erzählenden Fotografie ausbauen kannst, ist die Editorial Stilrichtung ein super Ansatzpunkt.
Dein Weg zur überzeugenden Editorial Story

Wenn du Editorials erstellen willst, brauchst du mehr als nur eine gute Kamera. Du brauchst eine Idee und die Fähigkeit, diese Idee klar zu kommunizieren. Redakteure suchen Bilder, die sofort funktionieren und die Aufmerksamkeit des Lesers fesseln. Wie erreichst du das?
1. Die Idee entwickeln: Was willst du sagen?
Jedes gute Editorial Bild beginnt mit einem klaren Konzept. Du brauchst eine These oder eine Fragestellung. Wenn du zum Beispiel eine Serie über „Das Ende der traditionellen Handwerke“ machen möchtest, musst du dir überlegen, welche visuellen Elemente diese Geschichte tragen. Geht es um veraltete Werkzeuge? Um die Hände des Handwerkers? Um den Kontrast zwischen alt und neu?
Denke immer aus Sicht der späteren Leser. Was sollen sie fühlen, wenn sie dein Bild sehen? Diese Art der Vorbereitung hilft dir enorm bei der späteren Bildauswahl und beim Shooting selbst. Es geht darum, die Essenz der Geschichte in ein oder mehrere Bilder zu destillieren. Das ist oft das Schwierigste, aber auch das Spannendste an der redaktionellen Bildsprache.
VIDEO: What the Heck is Editorial Photography? (And Why You Should Be Shooting It)
2. Authentizität und Stil finden
Deine Bilder müssen einen wiedererkennbaren Stil haben, der zu dir passt. Redaktionen suchen nach Fotografen, deren Ästhetik ihre Marke unterstützt. Das bedeutet nicht, dass du jeden Tag das gleiche Licht benutzen musst. Es bedeutet, dass deine Herangehensweise – wie du Menschen behandelst, wie du mit Farben umgehst oder wie du Kompositionen wählst – konsistent genug ist, damit man weiß, dass es deine Arbeit ist.
Für deine ersten Editorial Projekte musst du üben, schnell zu arbeiten, aber trotzdem tiefgründige Aufnahmen zu machen. In der Redaktionswelt hast du selten stundenlange Zeit für eine einzelne Aufnahme. Du musst die Momente erkennen und einfangen, wenn die Szene perfekt ist, sei es durch Licht oder durch einen Ausdruck.
3. Das Portfolio aufbauen: Zeige, was du kannst
Dein Portfolio ist deine Visitenkarte für die Veröffentlichung von Fotostrecken. Viele Zweifler geben an dieser Stelle auf, weil sie denken, sie bräuchten erst eine große Veröffentlichung, um ein Portfolio zu haben. Das stimmt nicht. Du baust ein Editorial Portfolio durch selbst initiierte Projekte auf.
Überlege dir Themen, die aktuell sind oder die dich persönlich sehr interessieren. Diese Eigeninitiativen für Editorial Fotografie sind dein Training. Vielleicht fotografierst du lokale Künstler, ungewöhnliche Arbeitsplätze in deiner Stadt oder dokumentierst eine bestimmte soziale Szene. Das Ziel ist es, mindestens drei starke, zusammenhängende Serien zu haben, die zeigen, dass du nicht nur Einzelfotos, sondern ganze narrative Bögen beherrschst.
Die Technik hinter den Kulissen
Editorial Fotografie ist oft sehr vielseitig, was die technische Ausrüstung angeht. Manchmal brauchst du eine große, dezente Kamera für diskrete Reportagen, manchmal ein komplettes Set für ein gestelltes Interview-Porträt.
Empfohlene Lektüre
Bereichere dein Wissen über Editorial fotografie mit diesen essenziellen Lesematerialien.
Lichtsetzung im redaktionellen Kontext
Licht ist entscheidend, gerade wenn du ein ernstes Thema behandelst. Wenn du für ein Wirtschaftsmagazin arbeitest, möchtest du vielleicht hartes, klares Licht, das Professionalität signalisiert. Für eine Geschichte über Jugendkultur darf es rauer und stimmungsvoller sein.
Ein großer Vorteil, den du als Editorial Fotograf nutzen kannst, ist die bewusste Manipulation von Licht, um eine Stimmung zu erzeugen. Du kannst Blitzlicht subtil einsetzen, um Details hervorzuheben, oder natürliche Lichtquellen nutzen, um die Authentizität zu wahren. Lerne, wie du mit begrenztem Budget oder in schwierigen Umgebungen trotzdem professionelle Ergebnisse erzielst. Das ist die Praxis der Editorial Bildgestaltung.
Bildauswahl: Weniger ist oft mehr
Nach einem Shooting hast du wahrscheinlich hunderte Bilder. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: die Auswahl. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Du musst brutal ehrlich zu dir selbst sein. Passt dieses Bild wirklich zur Geschichte, oder ist es nur technisch gut?
Erstelle eine Vorauswahl und dann eine Endauswahl. Bei einer redaktionellen Serie solltest du Bilder auswählen, die sich gegenseitig ergänzen, aber nicht wiederholen. Ein starker Opener, ein ruhiger Mittelteil und ein aussagekräftiger Abschluss – das ist die Struktur einer guten Bildstrecke.
Wie du deine Bilder platzierst
Wenn du denkst, du hast ein fantastisches Set an Bildern, musst du jetzt den Weg zu den Magazinen finden. Das ist oft der Punkt, an dem viele unsicher werden. Angst vor Ablehnung ist hier ganz normal.
Der Pitch: Deine Geschichte verkaufen
Du schickst deine fertigen Serien nicht einfach wahllos an jede Redaktion. Du musst gezielt pitchen. Das bedeutet: Du recherchierst, welche Magazine oder Online-Portale ähnliche Themen oder einen ähnlichen visuellen Stil hatten wie deine Serie. Hier geht es darum, den richtigen Ansprechpartner zu finden – oft der Bildredakteur.
Dein Pitch sollte kurz und knackig sein. Beschreibe in zwei bis drei Sätzen, was deine Serie zeigt, warum sie gerade jetzt relevant ist und liefere drei bis fünf deiner besten Bilder als kleinen Vorgeschmack. Sei dir bewusst, dass Ablehnung Teil des Spiels ist. Nicht jede Story passt in jede Ausgabe. Das ist kein Urteil über dein Können.
Wichtige Themenfelder für den Start
Wenn du nach Ideen suchst, um dein Repertoire zu erweitern, konzentriere dich auf Bereiche, die regelmäßig in den Medien auftauchen:
- Lokale Helden und vergessene Berufe: Menschen, die etwas Besonderes machen, das nicht jeder kennt.
- Soziale Entwicklungen: Themen wie Nachhaltigkeit, Wohnen, neue Arbeitsformen.
- Kultur und Kunst: Porträts von aufstrebenden Künstlern oder Berichte von Festivals.
- Alltagsleben in deiner Region: Dokumentation von Orten, die im Wandel sind.
Diese Bereiche bieten oft die Chance, nicht nur für große, überregionale Medien, sondern auch für lokale Zeitungen oder Fachmagazine interessant zu sein, was ein guter Startpunkt für erste professionelle Editorial Aufträge ist.



