Du hältst deine erste Filmrolle in der Hand oder hast gerade deine alte Kamera wiederentdeckt. Vielleicht hast du schon ein paar Bilder gemacht und fragst dich nun: Welcher Film passt überhaupt zu dem, was ich fotografieren möchte? Die Welt der analogen Filme ist riesig und kann am Anfang einschüchternd wirken. Keine Sorge, das Gefühl kennen fast alle, die mit Film starten. Ich erkläre dir ganz in Ruhe, welche Entscheidungen du treffen musst und wie du den perfekten Film für deine nächsten Aufnahmen findest. Wir schauen uns an, was ISO, Körnung und Farbe wirklich bedeuten, damit du dich beim nächsten Kauf sicher fühlst.
Die Grundlagen: Was macht einen analogen Film aus?
Bevor wir zu spezifischen Empfehlungen kommen, müssen wir verstehen, was einen Film definiert. Es gibt ein paar Schlüsselbegriffe, die dir immer wieder begegnen werden. Wenn du diese verstehst, verstehst du die Filme.
Die Filmempfindlichkeit: Die ISO-Zahl
Die ISO-Zahl ist die wichtigste Angabe auf jeder Filmbox. Sie sagt dir, wie lichtempfindlich der Film ist. Stell dir vor, du hast eine Tür zu deinem Film. Je höher die ISO-Zahl, desto weiter steht die Tür offen und desto weniger Licht brauchst du, um ein Bild aufzunehmen.
- Niedrige ISO (z. B. ISO 100 oder 200): Diese Filme brauchen viel Licht. Das ist ideal für sonnige Tage, Studioaufnahmen oder wenn du sehr feine Details und wenig Bildrauschen – oder besser gesagt, wenig „Körnung“ – möchtest. Sie bieten dir die schärfsten und saubersten Bilder, wenn die Lichtverhältnisse stimmen.
- Mittlere ISO (z. B. ISO 400): Das ist der Allrounder. Film mit ISO 400 funktioniert fast immer gut, egal ob drinnen bei gutem Tageslicht oder draußen bei bedecktem Himmel. Wenn du dir unsicher bist, welchen Film du kaufen sollst, nimm ISO 400.
- Hohe ISO (z. B. ISO 800 und höher): Diese Filme sind deine Retter bei schlechtem Licht – etwa bei Konzerten, in der Dämmerung oder in dunklen Innenräumen ohne Blitz. Der Nachteil: Sie erzeugen eine deutlich sichtbare Körnung. Diese Körnung ist aber oft das, was viele Fotografen gerade am analogen Film lieben, weil sie dem Bild Charakter verleiht.
Farbfilm oder Schwarz-Weiß? Der erste große Schnitt
Die nächste große Entscheidung betrifft die Farbe. Möchtest du Farbstimmung einfangen oder konzentrierst du dich auf Licht, Schatten und Textur?
Farbfilme sind meistens als „C-41“-Prozess bekannt. Das ist der Standardprozess, den fast jedes Fotolabor weltweit anbietet. Diese Filme sind großartig für Urlaubsbilder, Porträts und alles, wo du natürliche oder lebendige Farben sehen möchtest. Achte hier auf die „Farbstiche“ – manche Filme haben wärmere (gelblichere) Töne, andere kühlere (bläuliche) Töne.
Schwarz-Weiß-Filme nutzen einen anderen Entwicklungsprozess, oft „Ilford Simplicity“ oder ähnliches genannt. Sie sind perfekt, um Formen, Linien und Kontraste zu betonen. Wenn du gerade erst anfängst, kann Schwarz-Weiß einfacher sein, weil du dich weniger um die korrekte Farbwiedergabe kümmern musst.
Filme für analoge fotografie: Konkrete Empfehlungen für deinen Start

Du fragst dich, welche Marke du jetzt kaufen sollst? Es gibt einige „Arbeitspferde“, die man immer wieder findet und die sich gut für den Einstieg in die analoge Fotografie eignen.
VIDEO: Alles wat ik had willen weten voordat ik met filmfotografie begon
Die besten Farbfilme für den Alltag
Wenn du einfach nur loslegen willst und gute, verlässliche Ergebnisse erwartest, sind diese beiden Filmnamen deine ersten Anlaufstellen:
- Der Alleskönner (ISO 400): Viele Fotografen schwören auf den bekannten Standardfilm mit ISO 400. Er ist preiswert, überall verfügbar und funktioniert unter fast allen Bedingungen. Er liefert natürliche Farben und eine feine Körnung. Nutze ihn für Streetfotografie oder Familienfeiern. Er verzeiht dir auch kleine Fehler bei der Belichtung.
- Der Sonnenkünstler (ISO 100 oder 200): Wenn du weißt, dass du einen sonnigen Tag erwischt, greif zu einem niedrigempfindlichen Farbfilm. Diese Filme zeigen unglaublich feine Details und leuchtende Farben. Sie sind ideal für Landschaftsaufnahmen oder Architektur, wenn du wirklich jedes einzelne Blatt oder jede Mauerstruktur festhalten möchtest.
Pflichtlektüre
Erkunde diese relevanten Quellen, um dein Wissen über Filme für analoge fotografie zu erweitern.
- Welcher 35mm Film ist am besten für einen absoluten Anfänger …
- Fotoimpex Berlin – Alles für die analoge Fotografie
Schwarz-Weiß-Filme, die begeistern
Im Schwarz-Weiß-Bereich gibt es zwei Hauptrichtungen: sehr feinkörnig und sehr körnig.
- Feine Körnung für Porträts: Einige populäre Schwarz-Weiß-Filme sind sehr gleichmäßig und liefern fast schon „glatte“ Tonwerte. Sie sind toll für Porträts, weil sie die Haut weich darstellen und du dich auf den Ausdruck konzentrieren kannst. Diese Filme sind oft etwas teurer, aber ihre Neutralität ist unschlagbar.
- Charaktervolle Körnung für Drama: Andere Filme sind dafür bekannt, dass sie schon bei ISO 400 eine deutliche, fast „schneeflockenartige“ Körnung zeigen. Das gibt deinen Bildern Textur und Tiefe, ideal für düstere Szenen oder künstlerische Aktstudien. Experimentiere hier, denn jeder Hersteller behandelt seine Körnung anders.
Umgang mit Licht: Der wichtigste Tipp für den analogen Filmkauf
Das größte Problem für Neueinsteiger ist oft die Belichtung. Digitalkameras zeigen dir sofort, ob ein Bild zu dunkel oder zu hell ist. Beim Film musst du dich auf dein Messgerät verlassen – oder besser gesagt: auf dein Gefühl und Erfahrung.
Wie du die richtige Belichtung findest
Wenn du einen Film kaufst, frage dich immer: Wo werde ich fotografieren? Dies beeinflusst deine Wahl des Negativfilms oder des Umkehrfilms (was wir hier außen vor lassen, da Umkehrfilme komplizierter zu entwickeln sind).
Tipp gegen Überbelichtung: Analoge Filme, besonders Farbnegative, verzeihen es dir eher, wenn du sie etwas überbelichtest (also mehr Licht gibst, als die Kamera meint) als wenn du sie unterbelichtest (zu wenig Licht). Ein leicht überbelichtetes Bild hat meist schöne, weiche Schatten. Ein zu dunkles Bild hingegen hat verlorene Details in den Schatten, die sich später beim Scannen oder Entwickeln kaum zurückholen lassen. Wähle im Zweifelsfall die nächstlangsamere Verschlusszeit oder die nächstgrößere Blende, wenn du dir unsicher bist.
Das „Pushing“ und „Pulling“ von Filmen
Hier wird es spannend, denn du kannst die Regeln brechen! Weißt du, dass du später entwickeln lassen kannst, kannst du mit der ISO-Zahl spielen. Das nennt man „Pushen“ oder „Pullen“.
- Pushen (Film entwickeln bei höherer ISO): Du hast nur einen ISO 400 Film, aber es ist fast dunkel. Du stellst deine Kamera auf ISO 800 und machst die Fotos. Beim Entwickeln sagst du dem Labor, sie sollen den Film „eine Stufe pushen“. Das Labor verlängert die Entwicklungszeit, um das fehlende Licht auszugleichen. Das Ergebnis: Du bekommst ein brauchbares, wenn auch körnigeres Bild.
- Pullen (Film entwickeln bei niedrigerer ISO): Du hast einen ISO 400 Film, fotografierst aber bei gleißendem Sonnenschein. Du stellst die Kamera auf ISO 200. Beim Labor sagst du, sie sollen den Film „eine Stufe pullen“. Das Ergebnis: Weniger Körnung und sanftere Kontraste.
Diese Technik gibt dir enorme Flexibilität, besonders wenn du nur einen Filmtyp für viele verschiedene Situationen mitnehmen willst. Für den Anfang solltest du aber erst einmal mit der ISO-Zahl fotografieren, die auf dem Film steht.
Der nächste Schritt: Wo du Spezialfilme findest
Sobald du dich mit den Standards ISO 400 und der Unterscheidung zwischen Farbe und Schwarz-Weiß wohlfühlst, kannst du dich den spannenden Spezialfilmen widmen. Diese Filme haben oft einen besonderen Charakter.
Viele dieser Spezialfilme sind Color Negative Filme mit speziellen Farbpaletten (z. B. Filme, die eher ins Grüne oder ins Violette ziehen) oder sehr hochauflösende Filme (niedrige ISOs), die für Detailarbeiten gedacht sind. Wenn du beim Suchen auf Begriffe wie „Portra“, „Ektar“ oder „XP2“ stößt, weißt du, dass du es mit spezifischen Produkten zu tun hast, die oft für einen bestimmten Look optimiert sind.
Denke daran: Jeder Film hat eine eigene Persönlichkeit. Dein Ziel ist es, die Filme zu finden, deren Persönlichkeit zu deiner eigenen Sichtweise passt. Mach dir keinen Stress. Starte mit einem einfachen ISO 400 Farbfilm und einem ISO 400 Schwarz-Weiß-Film. Mach 24 Bilder mit jedem und vergleiche die Ergebnisse. Du wirst schnell merken, welcher Film dir am besten gefällt, wenn du deine Bilder später als Scan oder Abzug in den Händen hältst.



