Der Herbst ist da. Die Luft wird kühler, die Tage kürzer, und plötzlich leuchtet die Welt in Farben, die du im Sommer vermisst hast. Du packst deine Kamera ein, bereit für diese magische Zeit, doch dann stehst du vor dem Wald oder dem Park und fragst dich: Wie fange ich diese Stimmung wirklich gut ein? Vielleicht hast du schon tolle Herbstbilder gesehen und fragst dich, wie die anderen Fotografen dieses Licht hinbekommen haben. Keine Sorge, das Gefühl kenne ich gut. Herbstfotografie hat ihre eigenen kleinen Tücken, aber auch riesige Chancen. Lass uns gemeinsam schauen, wie du die Schönheit dieser Jahreszeit mit deiner Kamera festhältst.
Die besondere Herausforderung: Das Licht im Herbst verstehen
Wenn wir über Fotografie im Herbst sprechen, reden wir vor allem über das Licht. Das Sommerlicht ist oft hart und direkt. Im Herbst ändert sich das dramatisch. Die Sonne steht tiefer, das Licht ist weicher, oft goldener. Dieses weiche, warme Licht ist dein bester Freund, aber es kommt nur für kurze Zeit.
Die goldene Stunde optimal nutzen
Die „goldene Stunde“ – die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang – ist im Herbst besonders wertvoll. Das Licht ist dann nicht nur weich, sondern hat eine intensive, warme Färbung. Das lässt rote, gelbe und orange Blätter richtig leuchten. Hier ist dein praktischer Tipp:
- Plane deine Ausflüge gezielt. Schau nach, wann die Sonne auf- und untergeht.
- Sei früh da. Wenn die Sonne gerade aufgeht, hast du oft noch Nebel oder Dunst, was deinen Herbstlandschaften eine geheimnisvolle Tiefe gibt.
- Nutze Gegenlicht. Wenn die Sonne tief hinter den Bäumen steht, erzeugt das einen wunderschönen Schein, der die Konturen der Blätter hervorhebt. Achte dabei darauf, dass deine Kamera nicht überbelichtet.
VIDEO: Einfaches Setup und 5 Tipps fr atemberaubende Herbstfotos!
Umgang mit bedecktem Himmel

Nicht jeder Herbsttag ist strahlend blau. Oft sind die Himmel grau und bedeckt. Das kann für viele ein Grund sein, die Kamera im Schrank zu lassen. Mach das nicht! Ein bedeckter Himmel bietet ein riesiges, natürliches Softbox-Licht. Das bedeutet:
- Keine harten Schatten mehr. Details in den Blättern und auf dem Boden werden gleichmäßig ausgeleuchtet.
- Perfekt für Nahaufnahmen. Wenn du dich auf einzelne Blätter oder Pilze konzentrierst, gibt dir das diffuse Licht die nötige Ruhe, um Texturen und Farben hervorzuheben.
- Tipp für Kontrast: Bei Grau in Grau musst du eventuell die Farben in der Nachbearbeitung leicht anheben, um das typische Herbstgefühl zu erzeugen. Aber weniger ist oft mehr, damit es natürlich bleibt.
Motivfindung: Was fotografiert man im Herbst eigentlich?
Du stehst mitten im Wald und siehst nur eine Wand aus Braun und Grau? Das ist eine häufige Falle. Der Herbst bietet mehr als nur Blätterstapel. Du musst lernen, genauer hinzusehen. Die beste Herbstfotografie entsteht oft im Detail.
Vertiefende Links
Vertiefe dich weiter in Herbstfotografie Tipps: So fangen Sie die Farben ein mit einer Reihe sorgfältig ausgewählter Links.
- Wie kann ich gute Fotos machen, wenn es bewölkt / grau / bedeckt …
- Tipps für Herbstfotografie: nebliger Morgen, Farbenflut und wildes …
Fokus auf Texturen und Muster
Die Struktur der Natur ändert sich. Baumrinden wirken rauer, feuchtes Laub glänzt anders. Nutze diese Texturen bewusst in deinen Bildern.
- Nahaufnahme von Laub: Suche einzelne Blätter aus, die perfekte Muster oder Verfärbungen zeigen. Halte sie gegen das Licht, damit die Maserung sichtbar wird.
- Nasse Oberflächen: Regentropfen auf einem Blatt oder eine Pfütze, die den Himmel spiegelt, sind klassische, aber immer wirksame Motive für die Herbstlandschaftsfotografie.
- Abstrakte Muster: Schaue auf den Boden. Der Teppich aus gefallenen Blättern bildet oft faszinierende, farbige Muster. Gehe nah ran und fülle den Bildausschnitt damit.
Menschen und Porträts im Herbstlaub
Wenn du Menschen fotografierst, bietet der Herbst eine fantastische Kulisse. Aber hier gibt es einen Stolperstein: Die Kleidung des Models darf nicht mit den dominanten Farben konkurrieren.
- Wähle Farben, die ergänzen. Dunkelblau, tiefes Grün oder sogar gedecktes Grau harmonieren oft besser mit leuchtendem Orange und Gelb als grelle Farben.
- Nutze die Tiefe. Fotografiere Menschen zwischen den Bäumen, sodass der Hintergrund leicht unscharf wird. Das lässt die Farben im Hintergrund verschwimmen und lenkt den Blick auf die Person, während die herbstliche Atmosphäre erhalten bleibt.
Technische Tipps für deine Herbstbilder
Du hast das Licht, du hast das Motiv. Jetzt zur Technik. Es gibt ein paar Einstellungen, die dir helfen, das Maximum aus deinem herbstlichen Motiv herauszuholen, besonders wenn du mit deiner Kamera noch nicht hundertprozentig vertraut bist.
Weißabgleich: Warme Farben betonen
Die Automatik deiner Kamera versucht oft, alles neutral weiß zu halten. Das killt die warme Stimmung des Herbstes. Du musst dem Weißabgleich sagen, dass du es wärmer magst.
- Stelle manuell auf „Bewölkt“ (Cloudy) oder „Schatten“ (Shade) ein, auch wenn die Sonne scheint. Diese Voreinstellungen fügen automatisch einen wärmeren Gelb- oder Orangestich hinzu.
- Wenn du im RAW-Format fotografierst – was ich dir für den Herbst sehr empfehle –, kannst du diesen Wert später am Computer ohne Qualitätsverlust anpassen. Das gibt dir maximale Freiheit bei der Bearbeitung deiner Herbstfotos.
Schärfentiefe bewusst einsetzen
Die Schärfentiefe bestimmt, wie viel von deinem Bild scharf ist. Das ist gerade bei der Herbstlaub-Fotografie entscheidend.
- Für Tiefenschärfe (alles scharf): Wenn du eine weite Landschaft mit vielen Bäumen aufnehmen willst, wähle eine kleine Blendenöffnung (hohe Blendenzahl, z.B. f/11 oder f/16). Das stellt sicher, dass Vordergrund und Hintergrund scharf sind. Dies ist wichtig für die klassische Herbstwald-Fotografie.
- Für geringe Schärfentiefe (Hintergrund unscharf): Wenn du ein einzelnes farbiges Blatt hervorheben willst, wähle eine große Blendenöffnung (kleine Blendenzahl, z.B. f/2.8 oder f/4). Der unscharfe Hintergrund – das sogenannte Bokeh – lässt das scharfe Blatt förmlich aus dem Bild springen.
Langzeitbelichtung bei Wasser
Oft findest du im Herbst kleine Bäche oder Wasserfälle, die von den bunten Blättern umgeben sind. Wenn du das Wasser seidig weich darstellen möchtest, brauchst du eine längere Belichtungszeit.
- Dafür brauchst du ein Stativ. Ohne Stativ verwackelt das Bild bei Belichtungszeiten von einer halben Sekunde oder länger unweigerlich.
- Wähle eine kleine Blendenöffnung (z.B. f/16), um die Belichtungszeit zu verlängern. Bei hellem Licht kann ein Neutraldichtefilter (ND-Filter) helfen, der wie eine Sonnenbrille für deine Linse wirkt und die Belichtungszeit künstlich verlängert.
Der Kampf gegen den Regen und die Kälte
Der Herbst ist unbeständig. Du ziehst los, und plötzlich beginnt es zu nieseln. Das ist frustrierend, aber kein Grund zur Aufgabe. Die besten Stimmungen entstehen oft nach oder während eines leichten Schauers.
Schutz für deine Ausrüstung
Deine Kamera mag es nicht, nass zu werden. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber man vergisst es schnell in der Eile.
- Halte immer eine kleine Plastiktüte oder einen Regenschutz für die Kamera bereit. Wenn du das Objektiv wechselst, ziehe die Tüte über das Kameragehäuse.
- Wische Objektive mit einem Mikrofasertuch ab, bevor du sie wieder einpackst.
- Wenn du nach Hause kommst: Lass die kalte Kamera in ihrer Tasche im kühlen Raum ankommen. Erst wenn sie Zimmertemperatur erreicht hat, öffne die Tasche. So verhinderst du, dass Kondenswasser im Inneren deiner Kamera oder auf den Linsen entsteht.
Die Suche nach dem „Nassen“ Motiv
Nasses Laub ist dein Freund. Es reflektiert das Licht besser und die Farben wirken satter. Suche nach:
- Pfützen, die den Himmel oder die bunten Bäume spiegeln. Nutze diese Spiegelung als Hauptmotiv.
- Moosbewachsene Steine oder Baumstämme, die durch die Nässe eine intensive Grünfärbung bekommen.
Vergiss nicht, bei diesen Motiven wieder an die Schärfentiefe zu denken. Oft ist es besser, eine sehr geringe Schärfentiefe zu wählen, um die Spiegelung oder den nassen Stein extrem scharf zu stellen und den Rest in einem weichen Farbregal verschwinden zu lassen. Das ist die Kunst, die deine Herbstbilder von Schnappschüssen unterscheidet.



