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Infrarot fotografie

Veröffentlicht 2. November 2025

Infrarot fotografie

Du stehst vor deiner Kamera und fragst dich, wie du eigentlich noch spannendere, fast surreale Bilder erschaffen kannst? Du hast die Grundlagen der Fotografie drauf, aber jetzt suchst du nach dem gewissen Etwas, dem Blick hinter den Schleier des Sichtbaren? Dann bist du beim Thema Infrarot fotografie genau richtig gelandet. Viele denken, das sei kompliziert oder nur etwas für Spezialisten. Lass mich dir zeigen: Das ist es nicht. Infrarotfotografie öffnet dir eine völlig neue Welt, in der grüne Blätter weiß leuchten und der Himmel dramatisch dunkel wird. Es geht darum, Licht zu sehen, das dein Auge nicht wahrnimmt. Bleib dran, ich erkläre dir Schritt für Schritt, wie du diese faszinierende Technik für dich nutzen kannst.

Was ist infrarot fotografie überhaupt?

Ganz einfach gesagt: Normale Fotografie fängt das Licht ein, das wir sehen können – das sichtbare Spektrum. Wenn du einen Baum fotografierst, siehst du das Grün der Blätter. Infrarot fotografie (oft kurz als IR-Fotografie bezeichnet) ignoriert dieses sichtbare Licht und konzentriert sich auf die Lichtwellen, die direkt daran anschließen: die Infrarotstrahlung. Diese Strahlung ist für uns Wärme, aber die Kamera nimmt sie als Lichtquelle wahr.

Das Erstaunliche dabei ist, wie unterschiedlich Materialien auf dieses unsichtbare Licht reagieren. Kennst du das Phänomen, dass deine Kamera plötzlich völlig andere Farben aufnimmt, als du erwartest? Das ist der Reiz. Laub und Pflanzen reflektieren Infrarotlicht extrem stark. Deshalb erscheinen sie auf dem Bild nicht grün, sondern oft strahlend weiß. Wasser hingegen absorbiert Infrarotlicht stark und wirkt dunkel oder sogar pechschwarz. Himmel, der viel Dunst oder Feuchtigkeit enthält, wird ebenfalls dunkler. Das führt zu diesen typischen, fast mystischen Schwarz-Weiß- oder Falschfarben-Aufnahmen, die du vielleicht schon gesehen hast.

Welche arten der infrarot umwandlung gibt es für dich?

Bevor du loslegst, musst du entscheiden, welchen Weg du gehen möchtest. Es gibt grundsätzlich drei gängige Methoden, um mit Infrarot zu fotografieren. Jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, besonders wenn du deine Spiegelreflex- oder spiegellose Kamera nutzen möchtest, um infrarot bilder zu erstellen.

  1. Der einfache Weg: Infrarot-Filter

Das ist die unkomplizierteste Methode für den Einstieg in die Infrarot fotografie. Du schraubst einen speziellen Infrarotfilter direkt vor dein Objektiv. Stell dir das vor wie einen extrem dunklen Sonnenbrandfilter. Dieser Filter blockiert fast das gesamte sichtbare Licht und lässt nur die Infrarotstrahlen durch, die deine Kamera registriert. Der Nachteil? Du siehst durch den Sucher oder auf dem Display fast nichts mehr, weil es stockdunkel ist. Du musst dich komplett auf das Stativ und das Belichtungsmessen verlassen. Für viele ist das ein guter Start, weil du deine vorhandene Ausrüstung nutzen kannst.

  1. Der flexible Weg: Kamera-Umbau (Full Spectrum Umbau)

Wenn du regelmäßig und unkompliziert mit IR arbeiten willst, überlegst du vielleicht, deine Kamera umbauen zu lassen. Dabei wird der interne Schutzfilter vor dem Sensor entfernt. Das macht deine Kamera empfindlicher für das gesamte Spektrum, also auch für UV- und Infrarotlicht. Mit dieser Methode kannst du dann mit verschiedenen Filtern (z.B. einem 720nm oder 850nm Filter) experimentieren, ohne ständig lange Belichtungszeiten in Kauf nehmen zu müssen. Es ist eine Investition, aber sie gibt dir maximale Freiheit bei der kreativen Infrarot aufnahme.

  1. Der schnelle Weg: Dedizierte IR-Kameras

Manche Fotografen kaufen eine zweite, ältere Kamera, die sie dauerhaft für Infrarot umbauen lassen oder die von Haus aus schon empfindlicher ist. Das ist praktisch, weil du nicht ständig Objektive wechseln oder Filter montieren musst, wenn du schnell zwischen sichtbarem Licht und Infrarot wechseln willst. Für ambitionierte Hobbyisten ist das eine Überlegung wert, wenn das Budget es zulässt.

Deine erste infrarot aufnahme: praktische tipps für den start

Du hast dich entschieden, mit einem Filter zu starten? Großartig! Jetzt geht es ans Praktische. Viele Anfänger sind frustriert, weil die ersten Bilder unscharf oder zu dunkel werden. Das liegt oft an den Einstellungen, die du für normales Tageslicht gewohnt bist.

Das stativ ist dein bester freund

Infrarot fotografie

Da die IR-Filter das meiste Licht blockieren, brauchst du längere Belichtungszeiten. Selbst an einem sonnigen Tag kann das eine halbe Sekunde oder länger sein. Ohne Stativ werden deine Bilder wackelig. Nutze immer ein stabiles Stativ. Das nimmt dir den Druck, schnell sein zu müssen, und erlaubt dir, dich auf die Komposition zu konzentrieren.

Fokus und belichtung meistern

Das ist der schwierigste Teil beim Fotografieren mit fest montiertem IR-Filter (z.B. 720nm). Dein Autofokus funktioniert oft nicht mehr richtig, weil der Sensor nur noch Infrarotlicht sieht. Du musst manuell fokussieren. Hier ein Trick:

Was die Belichtung angeht: Beginne mit der manuellen Einstellung. Bei einem 720nm Filter musst du oft um zwei bis vier Blendenstufen länger belichten, als du es bei normalem Licht tun würdest. Wenn du sonst bei f/8 mit 1/125 Sekunde fotografieren würdest, probiere mal f/8 mit einer Sekunde bei hellem Sonnenschein.

Die richtige wahl des infrarot filters

Die Wellenlänge des Filters entscheidet, wie dein Bild aussehen wird. Das ist wichtig für deine Wahl, wenn du eine tolle Infrarot landschaftsfotografie anstrebst.

Nachbearbeitung: hier entsteht die magie der infrarot fotografie

Deine Kamera nimmt im Grunde nur Graustufen auf, selbst wenn du im JPG-Format speicherst. Die echten „Farben“ der Infrarotwelt entstehen erst in der Nachbearbeitung am Computer. Hier wird die eigentliche Transformation vollzogen, die deine Aufnahmen so einzigartig macht.

Der weißabgleich ist der schlüssel

Wenn du mit einem 720nm Filter fotografierst und deine Kamera auf Auto-Weißabgleich eingestellt hast, sehen die Bilder meist grünlich oder seltsam aus. Du musst dem Bild sagen, was „Weiß“ ist. Das machst du im RAW-Konverter (z.B. Lightroom oder Capture One).

Der wichtigste Schritt bei der Post-Produktion ist der Kanaltausch. Im Grunde vertauschst du die Farbkanäle Rot und Blau. Das klingt technisch, aber die Anwendung ist simpel:

  1. Öffne dein RAW-Bild.
  2. Gehe in die Farbmodi oder den Weißabgleich-Regler.
  3. Vertausche die Kanäle (oftmals gibt es dafür eine spezielle Einstellung oder du musst die Kanäle manuell verschieben).

Wenn du den Rot- und Blau-Kanal tauschst, passiert Folgendes: Die Blätter, die stark Infrarot reflektiert haben (und nun als „Rot“ interpretiert werden), werden blau. Der Himmel, der weniger reflektiert hat und oft als „Blau“ interpretiert wurde, wird rot oder magenta. Das Ergebnis sind die berühmten „falschen Farben“ der Infrarot fotografie, bei denen blaue Himmel und weiße Bäume entstehen. Wenn du das Bild im Anschluss in Schwarz-Weiß umwandelst, hast du immer noch dramatische Kontraste, da die Helligkeitswerte jetzt völlig anders verteilt sind als in der normalen Fotografie.

Tipps zur bearbeitung für dramatische wirkung

Wenn du den Falschfarben-Look nicht magst und reine Schwarz-Weiß-Bilder bevorzugst, nutze den Kanaltausch trotzdem, um die Helligkeitskontraste zu optimieren.

Häufige Fragen

Brauche ich immer ein stativ für infrarot bilder?
Nicht zwingend, aber es ist sehr empfehlenswert, besonders wenn du einen starken IR-Filter wie 720nm nutzt. Da du mit längeren Belichtungszeiten arbeiten musst, um überhaupt ein korrekt belichtetes Bild zu bekommen, verhindert das Stativ Bewegungsunschärfe durch Zittern deiner Hand. Bei sehr hellem Sonnenschein und einem leichten Filter sind kurze Belichtungszeiten möglich, aber für den Anfang ist das Stativ dein Sicherheitsnetz.
Kann ich meine normale kamera einfach so für infrarot nutzen?
Ja, jede digitale Kamera fängt Infrarotlicht auf, da der eingebaute Schutzfilter vor dem Sensor nicht 100%ig dicht ist. Der Unterschied ist, dass moderne Kameras oft sehr starke Filter haben, die das meiste IR-Licht abblocken, um realistischere Farben im sichtbaren Bereich zu gewährleisten. Du kannst also mit einem externen Filter experimentieren, aber die Ergebnisse werden weniger dramatisch sein als bei einer Kamera, deren Filter entfernt wurde.
Ist infrarot fotografie nur etwas für schwarz weiß?
Nein, auf keinen Fall. Während viele der bekanntesten IR-Aufnahmen dramatische Schwarz-Weiß-Bilder sind, liegt der besondere Reiz der Falschfarben-Infrarot fotografie gerade im Tausch der Farbkanäle. Dadurch entstehen Bilder mit tiefblauen oder magentafarbenen Himmeln und leuchtend weißen oder gelben Blättern. Das Ergebnis sieht oft völlig anders aus als alles, was du mit normalem Licht aufnehmen kannst, und bietet dir einen einzigartigen Stil.
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