Du stehst vor deinem Motiv – vielleicht ist es dein Kind, dein Haustier oder sogar ein Erwachsener, dessen Augen du besonders einfangen möchtest. Du drückst ab, schaust auf den Bildschirm und denkst: „Irgendwie fehlen da die funkelnden Augen.“ Dieses Funkeln, dieses Leben in den Pupillen, das macht den Unterschied zwischen einem guten und einem fesselnden Porträt aus. Wir sprechen hier von den berühmten „Kulleraugen“, jenem Effekt, den Fotografen lieben und der manchmal so schwer zu erreichen ist. Du fragst dich, wie du diesen lebendigen, leuchtenden Blick in deinen Fotos festhalten kannst? Mach es dir bequem, denn ich zeige dir jetzt ganz praktisch, wie du diesen magischen Moment einfängst.
Was sind Kulleraugen in der Fotografie überhaupt?
Wenn wir von Kulleraugen sprechen, meinen wir meistens nicht die Größe der Augen selbst, sondern das kleine, oft subtile Lichtspiel darin. Es ist das sogenannte Catchlight. Dieses kleine weiße oder helle Rechteck, der Spiegelpunkt der Lichtquelle, ist der Schlüssel. Es lässt das Auge nass, wach und präsent wirken. Ohne dieses Licht wirken Augen oft matt, tief und manchmal sogar ein wenig tot. Du kennst das Gefühl, wenn du jemanden anschaust, der müde ist – die Augen glänzen kaum. Genau diesen Eindruck gilt es, durch die richtige Beleuchtung und Technik zu vermeiden.
Das Problem: Warum fehlen oft die Highlights?
Oftmals fotografierst du in Räumen, wo das Licht von oben oder aus einer Richtung kommt, die keine direkte Reflexion in die Pupille wirft. Vielleicht nutzt du den eingebauten Blitz deiner Kamera. Der Blitz von vorne macht die Augen zwar hell, aber er wirft harte Schatten auf andere Teile des Gesichts und das Licht ist oft zu diffus oder direkt auf der Nase platziert, sodass das Catchlight fehlt oder unvorteilhaft aussieht. Wenn du draußen fotografierst, kann die Sonne zu hoch stehen, was ebenfalls zu harten Schatten führt und die Augen in dunkle Höhlen verbannt.
Die richtige Beleuchtung finden – Dein wichtigster Schritt

Licht ist alles, besonders wenn es um die „Augen zum Leuchten bringen“ geht. Du brauchst eine Lichtquelle, die relativ nah am Objektiv positioniert ist oder zumindest so, dass sie sich im Auge deines Motivs widerspiegelt. Denke immer daran: Das Catchlight ist die Reflexion deiner Lichtquelle.
Natürliches Licht meisterhaft nutzen
Wenn du draußen fotografierst und die Sonne sehr hell scheint, suche dir den Schatten. Aber nicht irgendeinen Schatten! Der ideale Ort ist der Schatten eines Gebäudes oder eines großen Baumes. Hier herrscht weiches, gleichmäßiges Licht. Jetzt kommt der Trick: Positioniere dein Motiv so, dass das Licht von der Seite kommt oder leicht von vorne, aber nicht direkt von oben.
- Fensterlicht ist dein Freund: Innenräume bieten oft das beste natürliche Licht. Stelle dein Motiv nahe an ein großes Fenster.
- Positionierung ist entscheidend: Lass dein Motiv leicht schräg zum Fenster sitzen. Das Licht fällt dann seitlich auf das Gesicht und erzeugt weiche Übergänge.
- Der Reflektor-Geheimtipp: Wenn das Licht nur von einer Seite kommt, wird die andere Seite deines Motivs dunkel. Halte einfach ein großes weißes Stück Pappe oder einen Faltreflektor (silber oder weiß) auf die dunkle Seite. Diese helle Fläche wirft Licht zurück in die Augen und füllt Schatten auf. Das ist oft der Punkt, der den Unterschied zwischen einem flachen und einem dreidimensional wirkenden Bild macht.
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Künstliches Licht für den Glanz
Wenn du mit Blitz oder externen Lampen arbeitest, wird es noch gezielter. Du musst die Lichtquelle dorthin bringen, wo das natürliche Licht sie idealerweise platziert hätte. Für ein tieferes Verständnis dieser Techniken empfehle ich dir, meine Meisterklasse zur Licht- und Schattenfotografie zu besuchen.
- Der Aufhellblitz (Fill Flash): Wenn du draußen fotografierst und es zu hell ist, nutze den Blitz auf niedriger Stärke, um Schatten im Gesicht aufzuhellen. Richte den Blitz aber nicht direkt auf das Auge.
- Der Ringblitz (Ring Flash): Dieses spezielle Zubehör wird um das Objektiv gesteckt. Es beleuchtet das Motiv absolut gleichmäßig von allen Seiten. Das Ergebnis: ein perfekter, runder Lichtreflex direkt in der Pupille. Viele Tierfotografen und Makrofotografen schwören darauf, weil es diesen typischen „Kulleraugen-Effekt“ garantiert.
- Softboxen und Schirme: Wenn du Studioblitze nutzt, vergrößere die Lichtquelle. Eine große Softbox oder ein großer Lichtschirm erzeugt weiches, großflächiges Licht. Positioniere diesen großen Lichtspender nah am Motiv und leicht oberhalb der Augenhöhe. Das führt zu einem großen, weichen Catchlight, das sehr schmeichelhaft wirkt.
Kameraeinstellungen, die das Auge schärfen
Gutes Licht allein reicht nicht. Wenn die Augen unscharf sind, nützt der schönste Lichtreflex nichts. Deine Kamera muss präzise fokussieren.
Vertiefende Links
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Die richtige Blende wählen
Du möchtest, dass die Augen knackescharf sind, während der Hintergrund vielleicht etwas verschwimmt (Bokeh). Dafür nutzt du eine offene Blende, also eine kleine Blendenzahl wie f/2.8 oder f/4. Hier musst du aber vorsichtig sein. Bei sehr offener Blende wird die Schärfentiefe sehr gering. Das bedeutet: Nur ein winziger Bereich ist scharf.
Wenn die Schärfentiefe zu gering ist, passiert es schnell, dass die Nasenspitze scharf ist, aber das Auge schon leicht unscharf wird. Für Porträts, bei denen du die Kulleraugen fokussieren musst, wähle eine Blende, die dir genügend Spielraum gibt, zum Beispiel f/5.6 oder f/8, besonders wenn du nicht direkt von vorne fotografierst. Das garantiert, dass beide Augen scharf abgebildet werden.
Der Fokuspunkt: Immer auf die Augen!
Verlasse dich nicht blind auf die automatische Fokussierung deiner Kamera, wenn es um Porträts geht. Du musst manuell oder per Punktfokussierung das Auge, das dir am nächsten ist, als Fokuspunkt wählen. Wenn du das Auge scharf stellst, das näher an der Kamera ist, ist das zweite Auge oft noch akzeptabel scharf, solange deine Blende nicht extrem offen ist. Teste das selbst: Fokussiere auf die Nase, dann auf das Auge, und schau dir den Unterschied an.
Die Interaktion: Wie du den Blick einfängst
Technik ist das eine, aber die Stimmung ist das andere. Kulleraugen wirken am besten, wenn das Motiv wach und engagiert ist. Wenn dein Modell müde ist oder wegschaut, wird das Licht nicht so gut reflektiert.
Emotionen wecken, um Wachsamkeit zu fördern
Wenn du Kinder fotografierst, nutze ihre Neugier. Halte einen Moment inne und mache ein Geräusch, das sie überrascht. Wenn du ein Tier fotografierst, versuche, ein Geräusch zu imitieren, das es kennt und das seine Aufmerksamkeit sofort auf dich lenkt. Dieser kurze Moment der Konzentration ist der perfekte Zeitpunkt, um den Auslöser zu drücken.
Spreche mit deinem Motiv. Stelle Fragen oder erzähle eine lustige Geschichte, die einen echten Ausdruck ins Gesicht zaubert. Ein leichtes Lächeln oder ein neugieriger Blick fängt das Licht oft besser ein, als wenn das Motiv einfach nur starr in die Linse schaut.
Der richtige Abstand
Du stehst oft zu weit weg oder zu nah. Wenn du zu weit weg bist, wird das Licht, das du reflektierst, zu klein und unbedeutend. Wenn du zu nah bist, riskierst du, dass das Licht von deiner eigenen Stirn oder deiner Kamera das gewünschte Catchlight blockiert.
Experimentiere mit einem Abstand, bei dem du eine deutliche, aber nicht übertrieben große Lichtquelle in den Augen deines Motivs siehst. Wenn du einen Reflektor nutzt, halte ihn nah am Motiv, aber so, dass er nicht im Bild zu sehen ist. Die Nähe des Reflektors sorgt für ein größeres, weicheres Licht im Auge.
Nachbearbeitung: Kleine Korrekturen, großer Effekt
Manchmal ist das Licht perfekt, aber das Foto braucht noch den letzten Schliff. Die Nachbearbeitung ist kein Schummeln, sondern ein Werkzeug, um das einzufangen, was das Auge gesehen hat.
In Programmen wie Lightroom oder ähnlichen Bildbearbeitungstools kannst du gezielt die Augenbereiche aufhellen. Nutze das sogenannte „Abwedeln“ (Dodge Tool), um die hellen Bereiche des Catchlights sanft aufzuhellen, ohne dass es künstlich aussieht.
- Kontrast erhöhen: Ein leichter Anstieg des Kontrasts im gesamten Bild lässt die Augen oft lebendiger wirken.
- Klarheit und Schärfe: Wende eine leichte lokale Schärfung nur auf die Augen an. Sei hier vorsichtig, denn zu viel Klarheit lässt die Augen unnatürlich hart erscheinen.
- Weißabgleich prüfen: Stelle sicher, dass das Weiß im Auge rein und nicht gelblich oder zu bläulich ist. Ein neutraler Weißpunkt lässt das Auge frischer aussehen.
Denke daran: Die Nachbearbeitung soll den Moment verstärken, nicht erfinden. Das beste Ergebnis erzielst du immer direkt in der Kamera.



