Du stehst vor deinem Motiv. Vielleicht ist es ein wunderbarer Sonnenuntergang, vielleicht ein stilles Porträt im Wohnzimmer, oder einfach nur ein spannendes Detail im Alltag. Du hältst deine Kamera oder dein Smartphone hoch, drückst ab – und das Ergebnis entspricht nicht dem, was du in deinem Kopf gesehen hast. Oft liegt der Unterschied nicht an der Kamera, sondern daran, wie du das Licht liest und nutzt. Das Thema „In diesem Licht fotografieren“ klingt erst einmal kompliziert, fast philosophisch. Aber eigentlich geht es um ganz einfache, praktische Dinge, die du sofort anwenden kannst. Lass uns gemeinsam schauen, wie du das vorhandene Licht zu deinem besten Werkzeug machst.
Das Licht verstehen: Warum es mehr als nur Helligkeit ist
Licht ist der Baustein jedes Fotos. Ohne Licht gibt es kein Bild. Aber Licht ist nicht gleich Licht. Es hat verschiedene Qualitäten, Richtungen und Farben. Wenn du lernst, diese Eigenschaften wahrzunehmen, verstehst du automatisch, wie du „in diesem Licht fotografieren“ kannst, anstatt nur gegen es anzukämpfen. Viele Anfänger machen den Fehler, nur auf die Belichtung zu achten – also ob das Bild zu hell oder zu dunkel ist. Das ist wichtig, klar. Aber viel wichtiger ist die Qualität des Lichts.
Die drei Hauptakteure des Lichts: Richtung, Härte und Farbe
Stell dir das Licht wie einen Schauspieler auf einer Bühne vor. Es gibt drei Dinge, die bestimmen, wie die Szene wirkt:
- Richtung: Kommt das Licht von vorne, von der Seite oder von hinten? Die Richtung formt das Motiv. Frontales Licht, wie der Blitz direkt auf der Nase, lässt Gesichter flach wirken. Seitenlicht erzeugt Schatten und gibt dem Motiv Tiefe und Textur.
- Härte: Ist das Licht hart oder weich? Hartes Licht (z. B. direkte Mittagssonne) erzeugt scharfe, dunkle Schatten. Weiches Licht (z. B. an einem bewölkten Tag oder im Schatten eines Hauses) lässt die Übergänge zwischen Licht und Schatten sanft verlaufen. Für Porträts ist weiches Licht oft schmeichelhafter.
- Farbe: Jede Lichtquelle hat eine Farbe. Tageslicht im Schatten ist oft bläulich, die Glühbirne im Wohnzimmer wirft ein warmes, gelb-oranges Licht. Wenn du weißt, welche Farbe dein Licht hat, kannst du den Weißabgleich deiner Kamera anpassen, damit Hauttöne natürlich aussehen.
Die goldene und die blaue Stunde nutzen
Wenn es darum geht, wie man „bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fotografiert“, reden Profis von der goldenen Stunde. Das ist die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Warum ist dieses Licht so beliebt, besonders für Außenaufnahmen?
Während der goldenen Stunde steht die Sonne tief. Das Licht muss einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen. Das streut das blaue Licht heraus und lässt das Rot und Orange dominieren. Das Ergebnis? Ein warmes, weiches und unglaublich schmeichelhaftes Licht, das alles in einen schönen Schimmer taucht.
Praktische Tipps für die goldene Stunde

Wenn du weißt, dass die goldene Stunde naht, bereite dich vor. Hier sind ein paar Dinge, die du sofort umsetzen kannst:
- Positioniere dein Motiv: Versuche, die Sonne leicht hinter deinem Motiv zu positionieren (Gegenlicht). Das erzeugt einen wunderschönen, leuchtenden Rand um Haare und Schultern. Das nennt man Rim-Light oder Kantenlicht.
- Achte auf Schatten: Selbst wenn das Licht warm ist, kann es harte Schatten werfen, wenn es noch nicht tief genug steht. Suche dir eine offene Stelle, wo der Schatten lang und weich ist.
- Weißabgleich anpassen: Wenn dein Bild zu orange wird, kannst du den Weißabgleich deiner Kamera leicht kühler einstellen, um einen ausgewogenen Look zu bekommen, der die Wärme des Lichts trotzdem einfängt.
Und dann gibt es noch die blaue Stunde. Das ist die Zeit kurz bevor die Sonne komplett verschwunden ist oder kurz bevor sie aufgeht. Der Himmel ist tiefblau, und künstliche Lichter (Straßenlaternen, Fenster) beginnen zu leuchten. Dies ist die perfekte Zeit, um Stadtansichten oder Gebäude zu fotografieren. Hier gilt: Nutze ein Stativ! Da es dunkler wird, brauchst du längere Belichtungszeiten, um das sanfte Restlicht einzufangen.
Innenräume meistern: Wenn das Fenster das einzige Licht ist
Oftmals fragst du dich: „Wie fotografiere ich gut, wenn ich nur eine normale Wohnung habe?“ Die häufigste Lichtquelle in Innenräumen ist das Fenster. Dieses natürliche Licht ist oft weicher und schöner als künstliches Deckenlicht.
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Nutze die Fensterbank als Styling-Tool
Wenn du Porträts oder Stillleben „in diesem Licht fotografieren“ möchtest, das durchs Fenster einfällt, beachte die Richtung.
- Seitenlicht: Stelle dein Motiv seitlich zum Fenster. Das Licht fällt sanft auf eine Seite des Gesichts oder Objekts und erzeugt gleichzeitig definierte Schatten auf der anderen Seite. Das gibt dem Bild Tiefe und Dramatik.
- Streiflicht: Bei einem bewölkten Tag ist das Licht oft sehr gleichmäßig. Wenn du etwas Textur zeigen willst (z. B. die Maserung von Holz oder die Falten eines Stoffes), positioniere das Motiv so, dass das Licht fast parallel zur Oberfläche fällt (Streiflicht).
Was aber, wenn das Fenster direkt hinter deinem Motiv ist? Das nennt man Gegenlicht. Das Motiv wird dunkel (es entsteht eine Silhouette). Wenn du das vermeiden willst, musst du Licht von vorne hinzufügen. Das muss keine professionelle Lampe sein. Ein weißer Karton oder ein großer Spiegel, den du strategisch platzierst, kann das Licht von der Fensterseite zurück auf die Schattenseite des Motivs lenken. Das nennt man Reflektieren, und es ist eine der ältesten und effektivsten Techniken, um Schatten aufzuhellen.
Harte Schatten im Griff: Dein Umgang mit direktem Sonnenlicht
Mittagssonne. Das Licht ist hart, die Schatten sind kurz und tiefschwarz. Du denkst vielleicht: „Das ist schlechtes Licht, das muss ich meiden.“ Nicht unbedingt. Hartes Licht kann sehr spannend sein, wenn du weißt, wie du damit umgehst.
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Wenn Schatten dein Freund werden
Direktes, hartes Licht ist ideal, um starke Kontraste und grafische Muster zu erzeugen. Denke an architektonische Details, scharfe Kanten oder Muster auf dem Pflaster.
Bei Porträts unter starker Mittagssonne solltest du zwei Dinge tun, um zu vermeiden, dass dein Modell die Augen zukneift:
- Schatten suchen: Bringe das Modell in einen tiefen, gleichmäßigen Schatten. Der Bereich direkt unter einem großen Baum oder der Eingangsbereich eines Gebäudes bieten oft weicheres Licht als die volle Sonne. Der Hintergrund kann dann zwar hell sein, aber dein Modell ist gut ausgeleuchtet.
- Den eigenen Schatten nutzen: Halte die Kamera so, dass der Schatten deiner eigenen Kamera oder deines Körpers einen kleinen Bereich deines Modells abschattet, um harte Lichtflecken auf der Haut zu vermeiden.
Wenn du wirklich mit hartem Licht arbeiten willst, mache es bewusst. Lass die Schatten einen Teil der Geschichte erzählen. Ein Porträt, bei dem eine Hälfte des Gesichts komplett im Schatten liegt, wirkt dramatisch und geheimnisvoll. Es ist eine bewusste Entscheidung, die du triffst, wenn du „in diesem Licht fotografierst“.
Der Weißabgleich: Die Farbe des Lichts korrigieren
Ich habe es schon kurz erwähnt: Licht hat Farbe. Deine Kamera misst diese Farbe und versucht, sie neutral darzustellen. Wenn du das automatische Programm (Auto-Modus) nutzt, macht die Kamera das meistens gut. Aber wenn du manueller fotografierst, musst du den Weißabgleich kontrollieren. Das ist entscheidend, wenn du „die richtige Farbtemperatur beim Fotografieren“ erreichen möchtest.
Wenn du drinnen fotografierst, siehst du oft einen gelben oder orangen Stich. Das liegt an den Glühlampen. Wählst du in deiner Kamera die Einstellung „Kunstlicht“ oder „Glühlampe“, wird die Kamera automatisch einen Blauton hinzufügen, um das Gelb auszugleichen. Das Ergebnis ist neutrales, sauberes Licht.
Im Freien bei bedecktem Himmel ist das Licht oft zu kühl (bläulich). Hier wählst du die Einstellung „Bewölkt“. Die Kamera fügt dann etwas Wärme hinzu. Sei mutig: Manchmal ist es schöner, wenn die Wärme des Sonnenuntergangs nicht komplett neutralisiert wird, sondern leicht erhalten bleibt, um die Stimmung zu unterstreichen.



