Du stehst vor dem Fenster, die Sonne steht tief, und plötzlich siehst du sie: diese funkelnden, kleinen Punkte im Bild. Vielleicht sind es Lichter in der Ferne bei Nacht, das Glitzern von Wasser oder einfach nur ein ungewolltes Leuchten auf deiner Linse. Du fragst dich, was das ist und wie du diese „Lichtpunkte fotografie“ meisterst oder vermeidest. Keine Sorge, dieses Phänomen kennt fast jeder Fotograf. Es ist oft ein Quell der Frustration, kann aber mit dem richtigen Wissen auch ein mächtiges Gestaltungselement werden. Ich erkläre dir jetzt ganz in Ruhe, was hinter diesen Lichterscheinungen steckt und wie du die Kontrolle über dein Bild gewinnst.
Was sind diese Lichtpunkte eigentlich in deinem Foto?
Oftmals, wenn wir von Lichtpunkten sprechen, meinen wir zwei unterschiedliche Dinge. Manchmal sind es die schönen, gezielten Effekte wie Bokeh oder Sterne um helle Lichtquellen. Manchmal sind es aber auch unerwünschte Störungen. Lass uns das kurz trennen, denn die Lösung für dein Problem hängt davon ab, was du eigentlich siehst.
Unerwünschte Störungen: Lens Flare und Streulicht
Das, was die meisten Fotografen ärgert, nennt sich Streulicht oder Lens Flare. Du kennst das vielleicht: Du fotografierst gegen die Sonne oder eine sehr helle Lampe, und plötzlich erscheinen bunte Kreise, polygonale Formen oder ein genereller Schleier über deinem Bild. Diese Lichtpunkte entstehen, weil Licht, das eigentlich nicht auf den Sensor treffen soll, von den Linsen deines Objektivs abprallt und dann doch auf den Sensor fällt. Es ist wie ein internes Ping-Pong-Spiel im Inneren deiner Optik.
Wenn du versuchst, bei Sonnenschein gegen das Licht zu fotografieren, um dramatische Silhouetten zu erzeugen, ist die Wahrscheinlichkeit für Lens Flare hoch. Diese Lichtpunkte beeinträchtigen die Kontraste und lassen dein Bild manchmal ausgewaschen wirken. Dein Zweifel ist berechtigt: Das sieht selten professionell aus, wenn es unbeabsichtigt passiert.
Gewollte Lichtpunkte: Bokeh und Stern-Effekte
Auf der anderen Seite gibt es die tollen Lichtpunkte, die viele Fotografen gezielt suchen. Das berühmteste Beispiel ist das Bokeh. Bokeh beschreibt die ästhetische Qualität der unscharfen Bereiche in einem Foto, besonders wenn helle Lichtquellen im Hintergrund sind. Diese werden dann zu weichen, unscharfen Kreisen oder Sechsecken. Das sorgt für Tiefe und lässt dein Motiv schön hervorstechen. Diese gezielte Lichtpunkte fotografie macht Bilder besonders stimmungsvoll.
Ein weiterer beliebter Effekt sind die sogenannten Sonnensterne oder Lichtsterne. Hierbei wird eine punktuelle Lichtquelle (wie eine Straßenlaterne oder die Sonne hinter einem Ast) nicht als Kreis, sondern als sternförmiger Lichtpunkt dargestellt. Das verleiht Nachtaufnahmen oder Landschaftsbildern eine besondere Schärfe und Dynamik.
Praktische Tipps gegen unerwünschte Lichtpunkte (Lens Flare)

Wenn du diese störenden Lichtpunkte loswerden möchtest, ist Vorbeugung der beste Weg. Hier sind konkrete Schritte, die du sofort anwenden kannst, um dein Bild sauberer zu bekommen, wenn du zum Beispiel Porträts im Gegenlicht aufnimmst.
VIDEO: Lichtpunkt Fotografie
1. Nutze eine Gegenlichtblende
Die Gegenlichtblende ist dein wichtigstes Werkzeug gegen unerwünschtes Streulicht. Sie sieht oft aus wie ein kleiner, schwarzer Blumenkranz oder ein Zylinder, der vorne auf das Objektiv geschraubt wird. Ihre Aufgabe ist es, seitlich einfallendes Licht abzuhalten, das die Linsenoberfläche streifen und Reflexionen verursachen würde. Auch wenn du nicht direkt in die Sonne fotografierst, kann die Blende helfen, wenn das Licht von der Seite kommt.
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2. Ändere deinen Aufnahmewinkel minimal
Manchmal reicht es schon, die Kamera nur um einen halben Zentimeter nach oben, unten oder zur Seite zu bewegen. Durch diese minimale Änderung veränderst du den Winkel, unter dem das helle Licht auf die vorderste Linse trifft. Teste das vor Ort aus. Du wirst überrascht sein, wie schnell sich das störende Polygon oder der Lichtkreis verschiebt oder ganz verschwindet.
3. Die Wahl des richtigen Objektivs
Nicht alle Objektive sind gleich gut im Umgang mit hellem Licht. Hochwertige Objektive haben spezielle Vergütungen (Beschichtungen) auf den Linsenelementen. Diese Beschichtungen reduzieren Reflexionen massiv. Wenn du oft in schwierigen Lichtsituationen fotografierst, achte beim Kauf darauf, dass das Objektiv eine mehrschichtige Vergütung aufweist. Das ist ein wichtiger Faktor für saubere Fotos bei Gegenlicht.
4. Im Nachhinein: Digitale Entfernung
Wenn du es beim Fotografieren leider nicht vermeiden konntest, musst du in der Nachbearbeitung ran. Programme wie Lightroom oder Photoshop bieten dir Werkzeuge, um solche Streulichtflecken zu entfernen. Oftmals hilft es schon, den Kontrast lokal zu erhöhen oder mit dem „Klonen“-Werkzeug die störenden Punkte wegzustempeln. Sei hier aber vorsichtig, damit das Bild natürlich aussieht.
So erzeugst du gezielt funkelnde Lichtpunkte (Bokeh und Sterne)
Jetzt zum spaßigen Teil: Wie bekommst du diese traumhaften, weichen Lichtpunkte oder die scharfen Sterne, die professionelle Bilder oft auszeichnen? Auch hier sind ein paar Einstellungen entscheidend.
Bokeh meistern: Die Kunst der Unschärfe
Wenn du die weichen, verschwommenen Lichtkreise (Bokeh) im Hintergrund möchtest, brauchst du vor allem eines: eine geringe Schärfentiefe. Das bedeutet, nur dein Hauptmotiv ist scharf, der Rest verschwimmt.
- Wähle eine große Blendenöffnung: Du musst deine Kamera in den manuellen Modus (M) oder den Blendenprioritätsmodus (Av oder A) stellen. Wähle eine möglichst kleine Blendenzahl (z.B. f/1.8 oder f/2.8). Je kleiner die Zahl, desto offener ist die Blende und desto stärker die Unschärfe im Hintergrund.
- Großer Abstand: Je weiter dein Motiv vom Hintergrund entfernt ist, desto besser wird das Bokeh. Nutze den Raum zwischen deinem Motiv und den Lichtern im Hintergrund aus.
- Lange Brennweite nutzen: Teleobjektive (längere Brennweiten, z.B. 85mm oder 200mm) komprimieren den Hintergrund und verstärken den Unschärfeeffekt zusätzlich.
Sonnensterne erzeugen: Der Blitz-Effekt
Der Stern-Effekt bei hellen Lichtquellen ist eine fantastische Technik der Lichtpunkte fotografie, die fast immer eine kleine Blende erfordert. Hier arbeitest du gegenläufig zum Bokeh.
- Kleine Blendenöffnung: Stelle deine Blende auf einen hohen Wert ein, zum Beispiel f/11, f/16 oder sogar f/22. Die Blendenlamellen formen dann das Licht zu den charakteristischen Strahlen.
- Stabile Basis: Du brauchst jetzt unbedingt ein Stativ. Bei diesen kleinen Öffnungen verlängert sich die Belichtungszeit oft stark, und du riskierst sonst Verwacklungen.
- Helle Lichtquelle: Die Lichtquelle muss punktuell und hell sein, damit der Effekt gut sichtbar wird. Straßenlaternen, Glühbirnen oder die Reflexion der Sonne auf einem See sind ideal.
Denke daran: Die Anzahl der Strahlen deines Sterns hängt direkt von der Anzahl der Blendenlamellen in deinem Objektiv ab. Ein Objektiv mit neun Lamellen erzeugt neun Strahlen (oder vielfache davon). Dies ist ein spannendes Detail beim Thema „Lichtpunkte fotografie“.
Häufig gestellte fragen
Wie bekomme ich diese schönen Lichtkreise im Hintergrund hin?
Um schöne, weiche Lichtkreise (Bokeh) zu bekommen, brauchst du eine möglichst große Blendenöffnung, also eine kleine Blendenzahl wie f/1.8. Achte darauf, dass dein Motiv weit genug vom Hintergrund entfernt ist, damit die Lichter im Hintergrund unscharf werden.
Ist es schlimm, wenn ich direkt in die Sonne fotografiere?
Direkt in die Sonne zu fotografieren, ist nicht per se schlimm, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit für Lens Flare, also unerwünschte Lichtreflexe. Nutze immer eine Gegenlichtblende und verändere den Kamerawinkel leicht, um diese Reflexe zu minimieren.
Wie mache ich aus einer Straßenlaterne einen schönen Lichtstern?
Um aus einer Lichtquelle einen Stern zu machen, brauchst du eine sehr kleine Blendenöffnung, also eine hohe Zahl wie f/16 oder f/22. Du musst dafür ein Stativ verwenden, da die Belichtungszeit sehr lang wird, um dieses Detail in deinen Lichtpunkte fotografie zu integrieren.



