Kennst du das? Du stehst vor einer Szene, die eigentlich wunderschön ist. Vielleicht ist es ein stimmungsvolles Abendessen bei Kerzenschein, eine leuchtende Stadt bei Nacht oder einfach nur dein gemütliches Wohnzimmer nach Sonnenuntergang. Du zückst deine Kamera, drückst ab, und was kommt dabei heraus? Ein Bild, das unscharf, körnig oder einfach zu dunkel ist. Frustriert legst du die Kamera weg. Damit soll jetzt Schluss sein! Die Fotografie bei wenig Licht, oft als Low light fotografie bezeichnet, ist kein Hexenwerk. Sie ist eine Disziplin, die jeder lernen kann. Ich erkläre dir jetzt Schritt für Schritt, wie du diese Momente einfängst und deine Bilder heller und schärfer bekommst.
Die größte Herausforderung verstehen: Was passiert bei wenig Licht?
Wenn das Licht weniger wird, kämpft deine Kamera. Sie braucht Licht, um ein Bild zu erzeugen. Ist nicht genug Licht da, muss sie härter arbeiten. Das führt zu drei Hauptproblemen, die dir wahrscheinlich bekannt vorkommen:
- Bewegungsunschärfe: Alles wirkt verschwommen, weil die Kamera länger braucht, um das Bild aufzunehmen.
- Bildrauschen (Körnung): Das Bild sieht aus, als wäre Sand darüber gestreut. Das ist das Rauschen, das entsteht, wenn die Kamera versucht, aus wenigen Lichtinformationen ein helles Bild zu machen.
- Falsche Belichtung: Deine Motive sind dunkle Silhouetten, obwohl du genau wusstest, dass sie gut aussahen.
Deine Aufgabe beim Fotografieren in der Dämmerung oder bei Nacht ist es, deiner Kamera so viel Licht wie möglich zuzuführen oder die Zeit, die sie braucht, zu managen. Dafür nutzen wir drei Stellschrauben: Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert.
Die drei Säulen der Low light fotografie meistern
Beim Fotografieren mit wenig Licht spielst du ständig mit diesen drei Einstellungen. Du musst wissen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, um die beste Balance für deine Aufnahme zu finden. Wenn du deine Kamera vom Automatikmodus wegbewegst, hast du die Kontrolle zurück.
Die Blende: Das Tor zum Licht öffnen

Stell dir die Blende wie die Pupille deines Auges vor. Wenn es dunkel wird, weitet sich die Pupille, um mehr Licht hereinzulassen. Deine Kamera macht das Gleiche mit der Blende. Du steuerst diesen Wert mit der Blendenzahl (f-Zahl).
Praxistipp: Wähle eine möglichst große Blendenöffnung. Das bedeutet, du wählst eine kleine f-Zahl, zum Beispiel f/2.8 oder f/1.8. Diese Objektive nennt man lichtstarke Objektive. Sie lassen viel Licht auf den Sensor fallen. Der Nachteil dabei ist, dass nur ein sehr schmaler Bereich scharf wird. Das ist gut für Porträts, wo der Hintergrund verschwimmen soll, aber schlecht, wenn du eine ganze Straßenszene scharf bekommen möchtest.
Die Verschlusszeit: Licht länger einfangen
Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Sensor dem Licht ausgesetzt ist. Eine kurze Verschlusszeit (z. B. 1/1000 Sekunde) friert Bewegung ein. Bei schlechtem Licht brauchst du eine lange Verschlusszeit, um mehr Licht zu sammeln. Das kann eine halbe Sekunde, eine ganze Sekunde oder sogar länger sein.
Das Problem der langen Belichtungszeit: Sobald die Zeit länger als etwa 1/60 Sekunde wird, wird deine eigene Handbewegung zum Problem. Das Bild wird unscharf, weil du gezittert hast. Hier kommen zwei Werkzeuge ins Spiel, die dir bei der Nachtfotografie helfen:
- Stativ nutzen: Das ist die wichtigste Anschaffung, wenn du ernsthaft bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren willst. Das Stativ hält die Kamera absolut ruhig, während der Verschluss lange offen bleibt.
- Selbstauslöser oder Fernauslöser verwenden: Selbst das Drücken des Auslösers kann zu einer winzigen Bewegung führen. Nutze den 2-Sekunden-Selbstauslöser, damit die Kamera nach dem Antippen noch ruhig wird, bevor das Bild aufgenommen wird.
VIDEO: De techniek van low-light fotografie die alle professionals gebruiken!
Informative Quellen
Vertiefe dich weiter in Low light fotografie mit einer Reihe sorgfältig ausgewählter Links.
Der ISO-Wert: Künstliche Aufhellung
Der ISO-Wert ist der digitale „Verstärker“ deiner Kamera. Er macht das aufgenommene Licht digital heller. Wenn du von ISO 100 auf ISO 3200 gehst, wird das Bild heller. Aber es gibt einen Preis: Das Bildrauschen nimmt stark zu.
Der richtige Umgang mit ISO: Halte den ISO-Wert so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig. Wenn du ein Stativ benutzt, versuche, im niedrigsten ISO-Bereich zu bleiben (meist ISO 100 oder 200). Wenn du ohne Stativ fotografierst, musst du eventuell hoch auf ISO 1600 oder 3200 gehen, um eine akzeptable Verschlusszeit zu erreichen. Moderne Kameras können damit gut umgehen, aber du musst das Rauschen am Ende vielleicht etwas reduzieren.
Manuelle Modi für bessere Kontrolle
Im Automatikmodus wählt die Kamera oft eine lange Verschlusszeit oder einen extrem hohen ISO-Wert, was zu dem körnigen Ergebnis führt, das du vermeiden willst. Wechsle in einen der manuellen Modi.
Blendenpriorität (Av oder A)
Dieser Modus ist ideal, wenn die Schärfentiefe dein Hauptanliegen ist. Du stellst die Blende ein (z. B. f/8 für eine gute Schärfe über das ganze Bild), und die Kamera wählt automatisch die passende Verschlusszeit. Wenn das Licht sehr schlecht ist, kann es sein, dass die Kamera die Verschlusszeit nicht kurz genug halten kann, und das Bild wird trotzdem unscharf. Hier musst du dann den ISO-Wert manuell erhöhen.
Zeitpriorität (Tv oder S)
Dieser Modus ist perfekt, wenn die Bewegung wichtig ist. Du legst fest, wie lang der Verschluss offen bleiben soll (z. B. 1/50 Sekunde, um Handshake zu vermeiden). Die Kamera wählt die passende Blende. Wenn das Licht sehr dunkel ist, öffnet die Kamera die Blende maximal (z. B. auf f/2.8) und wenn das nicht reicht, erhöht sie den ISO-Wert. Wenn du fließendes Wasser einfangen willst, brauchst du hier sehr lange Zeiten, also wieder das Stativ.
Der volle manuelle Modus (M)
Wenn du wirklich alles kontrollieren willst, wähle M. Du stellst Blende, Verschlusszeit und ISO selbst ein. Dies ist die Königsdisziplin. Nutze die Belichtungsskala in deinem Sucher oder auf dem Display als Orientierung. Du zielst auf die Mitte („Null“).
Der Blickwinkel und die Bildkomposition bei wenig Licht
Low light fotografie bedeutet oft auch, dass du weniger Details und mehr Kontraste hast. Die Bildgestaltung ändert sich.
Suche nach Lichtquellen
Statt einer gleichmäßigen Ausleuchtung arbeitest du mit Lichtinseln. Das Licht von Straßenlaternen, einem Fenster oder Kerzen wird dein wichtigstes Gestaltungselement. Platziere dein Motiv im Licht oder nutze das Licht als starke Führungslinie im Bild. Denke daran: Dunkelheit ist kein Fehler, sondern ein Gestaltungsmittel.
Umgang mit schwierigem Autofokus
Deine Kamera hat Schwierigkeiten, im Dunkeln scharfe Punkte zu finden. Der Autofokus pumpt hin und her. Verlasse dich nicht blind darauf.
- Manuelles Fokussieren: Wechsle an die manuelle Fokussierung (MF). Richte deine Kamera auf die hellste Stelle deines Motivs (oder einen Punkt in der Nähe, der scharf sein soll). Vergrößere das Live-Bild auf dem Display stark, bis die Kanten scharf aussehen.
- Nutze Kontrastpunkte: Wenn du ein hell erleuchtetes Fenster oder ein farbiges Schild im Hintergrund hast, versuche, dort scharfzustellen. Das gibt dem Autofokus einen besseren Halt.
Die Nachbearbeitung: Der letzte Schliff für deine dunklen Bilder
Auch wenn du alles richtig gemacht hast, wird ein Bild bei wenig Licht fast immer einer kleinen Korrektur bedürfen. Die RAW-Datei ist hier dein bester Freund.
Wenn du im RAW-Format speicherst (statt nur JPEG), speicherst du viel mehr Bildinformationen. Das gibt dir in Programmen wie Lightroom oder ähnlichen Tools mehr Spielraum.
Wichtige Schritte in der Bearbeitung:
- Belichtung anheben: Ziehe den Belichtungsschieberegler leicht nach rechts, um das Gesamtbild aufzuhellen.
- Rauschreduzierung anwenden: Nutze die Rauschminderung, um die sichtbare Körnung zu glätten. Sei vorsichtig: Zu viel Rauschreduzierung macht Details matschig. Weniger ist oft mehr.
- Kontrast und Schwarzwerte anpassen: Bei dunklen Bildern neigen die Schatten dazu, „abzusaufen“. Hebe die Schwarzwerte leicht an, um Zeichnung in den dunkelsten Bereichen zu gewinnen, aber passe den Gesamt-Kontrast an, damit das Bild nicht ausgewaschen wirkt.
Denke daran: Low light fotografie ist Übungssache. Jeder Versuch, der unscharf wird, zeigt dir, wo du die nächste Stellschraube anziehen musst. Sei geduldig mit deiner Ausrüstung und vor allem mit dir selbst.



