Du stehst vor einem Motiv, die Dämmerung bricht herein oder die Nacht hat die Stadt schon fest im Griff. Du drückst auf den Auslöser deiner Kamera, und was du auf dem Display siehst, frustriert dich: Das Bild ist entweder total verschwommen, viel zu dunkel oder das Licht tanzt wild umher. Kennst du dieses Gefühl? Viele Fotografen zögern, wenn es dunkel wird. Sie denken, ohne teures Equipment oder Expertenwissen geht nichts. Aber ich sage dir: Nachtfotografie ist kein Hexenwerk. Es ist eine Chance, die Welt ganz neu zu entdecken und Bilder zu erschaffen, die bei Tageslicht unmöglich wären. Lass uns gemeinsam die Grundlagen durchgehen, damit du dein nächstes Nachtbild meisterst.
Die größten Herausforderungen bei der Fotografie bei nacht
Wenn die Sonne untergeht, ändert sich alles für deine Kamera. Das Licht wird knapp. Dein größter Feind ist nun die Dunkelheit selbst, denn sie zwingt dich, Kompromisse einzugehen. Du musst entscheiden, was dir wichtiger ist: Schärfe, Helligkeit oder Bewegung festhalten. Wenn du einfach so weiterfotografierst wie am helllichten Tag, wirst du dunkle, verrauschte Bilder bekommen. Das liegt daran, dass deine Kamera versucht, das fehlende Licht auszugleichen, indem sie die Elektronik überfordert. Bevor wir tiefer in die Einstellungen eintauchen, brauchst du zwei unverzichtbare Helfer.
Stativ: Dein Fels in der Brandung
Das ist der wichtigste Tipp für jede Form der Langzeitbelichtung bei Nacht. Sobald es dunkel wird, musst du die Belichtungszeit verlängern. Schon die kleinste Bewegung deiner Hand, selbst das Atmen, führt zu Unschärfe. Ein Stativ hält deine Kamera absolut still. Es muss kein teures Profiteil sein, aber es sollte stabil stehen und dein Kameragewicht tragen können. Wenn du kein Stativ besitzt, suche dir eine feste Oberfläche: eine Mauer, einen Geländerpfosten oder sogar einen Rucksack. Hauptsache, die Kamera bewegt sich keinen Millimeter während der Aufnahme.
Fernauslöser oder Selbstauslöser
Selbst wenn die Kamera auf dem Stativ steht: Der Moment des Drückens auf den Auslöser kann noch Vibrationen erzeugen. Benutze daher immer den Selbstauslöser deiner Kamera (zwei Sekunden reichen oft schon) oder einen Kabel- bzw. Funkfernauslöser. So berührst du die Kamera während der Aufnahme überhaupt nicht. Das ist entscheidend für wirklich scharfe Nachtaufnahmen.
Die heilige Dreifaltigkeit: Belichtungseinstellungen für die Nacht

Bei der Fotografie bei nacht ändern sich die Prioritäten der sogenannten „Belichtungsdreiecks“ – Blende, Verschlusszeit und ISO. Wir müssen hier gezielter vorgehen als am Tag.
VIDEO: 4 tips voor nachtfotografie die elke fotograaf moet weten
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Hier ist eine kuratierte Liste von Links, die dir alles über Fotografie bei nacht verraten.
- Fotospaziergang Wien bei Nacht – Langzeitbelichtung erleben …
- Austria's Silent Night: 200+ years, 300+ languages | Fotoeins …
Die Blende: Wie viel Licht lasse ich herein?
Die Blende bestimmt, wie weit deine Objektivöffnung offen ist. Bei wenig Licht möchtest du natürlich so viel Licht wie möglich hereinlassen. Das erreichst du durch eine kleine Blendenzahl (z. B. f/2.8 oder f/4). Das ist wichtig, wenn du zum Beispiel Sterne fotografieren willst oder Landschaften, bei denen du trotzdem Details im Vordergrund möchtest. Allerdings gilt: Je weiter die Blende offen ist, desto geringer wird die Tiefenschärfe. Das heißt, nur ein kleiner Bereich ist scharf. Wenn du eine Stadtansicht fotografierst und alles von vorne bis hinten scharf haben willst, musst du etwas weiter schließen (z. B. auf f/8), aber das erfordert dann eine längere Belichtungszeit.
Die Verschlusszeit: Wie lange nimmt die Kamera auf?
Dies ist der Schlüssel zur Nachtfotografie. Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Sensor dem Licht ausgesetzt ist. Bei Nacht musst du hier oft dramatisch verlängern – von Sekundenbruchteilen am Tag auf mehrere Sekunden oder sogar Minuten. Genau hier kommt das Stativ ins Spiel. Wenn du zum Beispiel eine Aufnahme von beleuchteten Straßen machst, kannst du mit 10 bis 30 Sekunden Belichtungszeit das Licht der Autos in schöne Streifen verwandeln. Experimentiere mit dieser Einstellung, um das Licht einzufangen, das tagsüber unsichtbar ist. Lange Belichtungszeiten sind dein Freund bei der Fotografie von Wasserfällen oder Wolken, die dann milchig und weich erscheinen.
Der ISO-Wert: Die digitale Verstärkung
Der ISO-Wert sagt der Kamera, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagieren soll. Hohe ISO-Werte machen dein Bild heller, aber sie erzeugen auch Bildrauschen (Körnung). Bei Tageslicht fotografierst du vielleicht mit ISO 100 oder 200. Nachts wirst du höhere Werte brauchen, aber sei vorsichtig. Versuche immer zuerst, die Helligkeit über eine längere Verschlusszeit zu erreichen. Wenn du ein Stativ benutzt, kannst du den ISO-Wert niedrig halten (z. B. ISO 200 oder 400), selbst wenn die Belichtungszeit 20 Sekunden beträgt. Das hält das Rauschen gering und dein Bild sauber. Steigere den ISO-Wert nur, wenn die Verschlusszeit schon sehr lang ist und das Bild immer noch zu dunkel ist.
Manueller Modus: Die totale Kontrolle übernehmen
Vergiss die Automatik. Im Dunkeln weiß deine Kamera oft nicht, was sie tun soll, und belichtet falsch oder versucht, eine unrealistische Farbe zu finden. Du musst in den manuellen Modus (M) wechseln. Das gibt dir die volle Kontrolle über Blende, Zeit und ISO. Für den Anfang stelle ich dir einen guten Startpunkt für die Nachtfotografie in der Stadt vor:
- Kamera aufs Stativ stellen und auf das Motiv fokussieren (siehe nächster Abschnitt).
- Blende auf f/8 einstellen (guter Kompromiss zwischen Schärfentiefe und Lichtaufnahme).
- ISO auf 400 einstellen (ein vertretbarer Wert für die meisten modernen Kameras).
- Verschlusszeit auf 5 Sekunden einstellen und auslösen.
- Bild prüfen: Ist es zu hell oder zu dunkel? Passe die Verschlusszeit an. Ist es zu dunkel, erhöhe die Verschlusszeit auf 10 oder 15 Sekunden. Ist es zu hell, reduziere sie.
So tastest du dich langsam an die perfekte Belichtung heran. Das ist Übungssache, und jeder Klick bringt dich näher an dein Ziel.
Fokus im Dunkeln: Das Problem der Schärfe
Autofokus ist der größte Schwachpunkt bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Kamera findet keine Kontraste mehr, auf die sie scharfstellen kann. Dein Objektiv dreht durch und fokussiert ins Leere. Hier gibt es nur eine Lösung: Wechsle auf manuellen Fokus (MF).
Wie fokussierst du ohne Autofokus? Du musst das Objektiv manuell einstellen:
- Wähle ein helles Element im Bild aus – eine Straßenlaterne, ein beleuchtetes Fenster oder eine sehr helle Lichtquelle.
- Richte die Kamera auf dieses Element aus.
- Stelle am Objektiv oder in den Kameraeinstellungen auf MF um.
- Zoome im Live-View-Modus (also auf dem Bildschirm, nicht durch den Sucher) so weit wie möglich in das helle Element hinein.
- Drehe den Fokusring langsam, bis dieses Licht punktgenau scharf aussieht.
- Halte diesen Fokus fest. Wenn du das Motiv wechselst, musst du den Fokus neu setzen, oder du nutzt die Unendlichkeitseinstellung (falls du Sterne fotografierst).
Wenn du weiter entferntes Licht fokussierst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass alles davor ebenfalls scharf ist. Das ist der Trick für scharfe Nachtaufnahmen von Stadtlandschaften.
Kreative Spielereien: Was die Nacht alles kann
Wenn du die technischen Grundlagen beherrschst, wird die Nachtfotografie spannend. Es geht nicht immer nur darum, alles scharf und hell zu bekommen. Manchmal geht es um Bewegung und Magie.
Lichtmalerei (Light Painting)
Dafür brauchst du eine sehr lange Belichtungszeit (20 Sekunden oder mehr) und eine Lichtquelle, zum Beispiel eine Taschenlampe oder sogar das Smartphone-Licht. Während die Kamera belichtet, „malst“ du mit dieser Lichtquelle in die Szene. Du kannst damit eine Person umrahmen oder abstrakte Linien in die Luft zeichnen. Wichtig ist, dass die Umgebung selbst dunkel ist, sonst siehst du nur die Umgebung und nicht deine Lichtspur.
Sternenfotografie leicht gemacht
Die Fotografie der Milchstraße oder einzelner Sterne erfordert spezielle Vorbereitung. Hier muss die Blende so weit wie möglich offen sein (z. B. f/2.8), der ISO-Wert oft auf 3200 oder 6400 angehoben werden, und die Belichtungszeit darf nicht zu lang sein. Warum? Weil die Erde sich dreht. Ist die Belichtungszeit zu lang, werden die Sterne zu Strichen statt zu Punkten. Als Faustregel gilt: Teile 500 durch deine Brennweite (z. B. 500 geteilt durch 20 mm = 25 Sekunden). Das ist die maximale Zeit, bevor die Sterne beginnen, Striche zu ziehen.
Lichtspuren von Fahrzeugen
Das ist der Klassiker der Nachtfotografie mit langen Belichtungszeiten. Suche dir einen erhöhten Punkt über einer stark befahrenen Straße. Richte die Kamera stabil aus, stelle den manuellen Modus ein und wähle eine Verschlusszeit von 15 bis 45 Sekunden. Du wirst sehen, wie die roten Rücklichter und die weißen Scheinwerfer zu leuchtenden Bahnen auf deinem Bild werden. Das macht die Szene dynamisch und lebendig.



