Du stehst vor deinem Motiv, die Kamera ist eingestellt, aber irgendetwas fehlt noch. Das Licht? Ja, das Licht! Es ist oft der entscheidende Faktor, der ein gutes Porträt in ein atemberaubendes Bild verwandelt. Viele denken, man braucht teures Equipment, um tolle Porträtaufnahmen zu machen. Das stimmt nicht ganz. Wenn du die Grundlagen der Portrait fotografie licht verstehst, kannst du mit fast jeder Ausrüstung beeindruckende Ergebnisse erzielen. Setz dich einen Moment, nimm dir einen Kaffee. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du das Licht zu deinem besten Freund beim Fotografieren machst.
Das Fundament verstehen: Was macht gutes Porträtlicht aus?
Licht ist nicht einfach nur hell oder dunkel. Es hat drei wesentliche Eigenschaften, die du kennen musst, um es bewusst einzusetzen: Richtung, Qualität und Farbe. Wenn du diese drei Dinge beherrschst, hast du schon die halbe Miete für gelungene Porträtaufnahmen mit natürlichem Licht oder künstlicher Beleuchtung.
Die Richtung des Lichts: Wo kommt es her?
Die Richtung, aus der das Licht auf dein Modell fällt, formt das Gesicht. Sie betont oder kaschiert Details. Das ist der wichtigste Hebel, den du hast.
- Frontales Licht: Das Licht kommt direkt von vorne, oft von der Kamera aus gesehen. Es beleuchtet das Gesicht sehr gleichmäßig. Vorteil: Wenige Schatten, Haut wirkt weich. Nachteil: Es kann flach wirken, da Tiefe und Kontur verloren gehen. Das ist typisch für den Blitz direkt in der Kamera.
- Seitenlicht (90 Grad): Hier kommt das Licht von der Seite. Es erzeugt starke Kontraste. Eine Hälfte des Gesichts ist hell, die andere liegt im Schatten. Das nennt man Rembrandt-Licht, wenn ein kleines, dreieckiges Licht auf der Schattenseite sichtbar bleibt. Dieses Licht gibt deinem Portrait die Struktur und Dramatik.
- Streiflicht (ca. 45 Grad): Das ist oft die beliebteste und schmeichelhafteste Richtung. Es kommt leicht von der Seite und etwas von oben. Es modelliert das Gesicht gut, ohne zu harte Schatten zu werfen. Es betont die Wangenknochen und gibt dem Auge Tiefe.
- Spitzlicht (Top-Light): Das Licht kommt direkt von oben, wie die Mittagssonne. Sei hier vorsichtig! Es wirft tiefe Schatten unter Augen und Nase – das sieht selten gut aus, es sei denn, du willst einen sehr harten, düsteren Look erzeugen.
- Hintergrundlicht (Rücklicht): Das Licht kommt von hinten. Das Modell wird vom Hintergrund getrennt und bekommt einen leuchtenden Rand, eine sogenannte „Kante“. Wichtig: Du brauchst immer noch etwas Licht von vorne, sonst wird das Gesicht schwarz. Das ist ideal für Outdoor Porträts bei Gegenlicht.
VIDEO: 10 tips om je portretten met natuurlijk licht te VERBETEREN
Die Qualität des Lichts: Hart oder weich?
Die Qualität des Lichts beschreibt, wie weich oder hart die Übergänge von Licht zu Schatten sind. Das hat direkt mit der Größe der Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv zu tun.
- Hartes Licht: Kleine Lichtquelle, harte Schattenkanten. Stell dir die pralle Mittagssonne vor. Hartes Licht betont Textur, Falten und Details. Es ist dramatisch, kann aber für viele Porträts zu gnadenlos sein.
- Weiches Licht: Große Lichtquelle, sanfte, fließende Übergänge. Wolken am Himmel oder das Licht, das durch ein großes Fenster fällt, sind weiche Quellen. Weiches Licht kaschiert Unregelmäßigkeiten und lässt die Haut glatter erscheinen. Wenn du Anfänger bist, arbeite immer zuerst mit weichem Licht.
Die Farbe des Lichts: Die Farbtemperatur

Licht hat eine Farbe, die man in Kelvin (K) misst. Tageslicht ist neutral (etwa 5500 K). Eine Glühbirne ist warm und gelb (etwa 2700 K). Ein Gewitterhimmel ist kühl und bläulich. Achte darauf, dass dein Licht zusammenpasst. Wenn du drinnen fotografierst und eine warme Lampe benutzt, dein Blitz aber kaltes Licht wirft, sieht das Bild seltsam aus. Dieses Thema wird wichtig, wenn du dich mit künstlichem Licht für Porträts beschäftigst.
Natürliches Licht nutzen: Dein bester und kostenfreier Assistent
Bevor du viel Geld für Blitze ausgibst, lerne, das Licht der Sonne zu lesen und zu formen. Das ist der beste Weg, um ein Gefühl für Lichtführung zu entwickeln.
Die goldene Stunde und die blaue Stunde
Du hast sicher schon von der „goldenen Stunde“ gehört. Das ist die Zeit kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang. Das Licht ist dann tief, warm und weich. Es erzeugt lange, schöne Schatten und einen wunderbaren Glanz auf der Haut. Das ist ideal für romantische oder warme Portraitaufnahmen im Freien. Die „blaue Stunde“ davor oder danach bietet ein kühles, diffuses Licht, das für melancholische oder ruhige Stimmungen perfekt ist.
Bereichernde Links
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Arbeiten am Fenster: Das beste Studio der Welt
Ein großes Fenster ist dein bester Freund für Studioqualität zu Hause. Wenn du direkt vor dem Fenster fotografierst, erhältst du weiches, diffuses Licht – ideal für schmeichelhafte Porträts. Hier kannst du mit wenigen Mitteln experimentieren:
- Stelle das Modell seitlich zum Fenster. Das erzeugt leichtes Seitenlicht und modelliert das Gesicht sanft.
- Nutze einen weißen Reflektor (oder ein großes Stück Pappe, mit Alufolie umwickelt) auf der Schattenseite. Er wirft Licht zurück und hellt die dunklen Bereiche auf. Das ist eine einfache Methode, um die Schatten weicher zu machen und Schattenpartien aufzuhellen, ohne einen zweiten Blitz zu benötigen.
- Geh tiefer in den Raum. Je weiter weg das Modell vom Fenster ist, desto weicher wird das Licht, da es sich stärker verteilt.
Künstliches Licht: Wann und wie du Blitze einsetzt
Manchmal reicht das natürliche Licht nicht aus. Vielleicht ist es draußen dunkel, oder du möchtest eine ganz bestimmte Lichtwirkung, die die Sonne nicht liefern kann. Hier kommen Aufsteckblitze oder Studioblitze ins Spiel. Der Schlüssel ist hier immer die Kontrolle über das Portrait fotografie licht.
Der einfache Blitz: Der Aufsteckblitz
Viele Anfänger hassen den eingebauten Blitz, weil er harte, unschöne Schatten wirft. Das liegt daran, dass er klein ist und direkt auf das Motiv feuert. Um deinen Aufsteckblitz besser zu nutzen, brauchst du etwas, das ihn vergrößert und weicher macht. Das nennt man Lichtformer.
- Abblitzen von der Decke: Wenn die Decke hell und nicht zu weit entfernt ist, richte den Blitz nach oben. Die Decke wird zur riesigen, weichen Lichtquelle. Das ist oft besser als direktes Blitzen.
- Softbox oder Schirm: Das sind die klassischen Lichtformer. Ein großer Schirm (durchscheinend oder reflektierend) macht das Licht weicher und streut es besser. Eine Softbox ist eine Art riesige, kontrollierte Lampe. Je größer der Lichtformer, desto weicher das Licht.
Die Zwei-Licht-Einstellung: Der Klassiker
Wenn du wirklich Kontrolle willst, brauchst du mindestens zwei Lichtquellen. Das ist die Grundlage für viele professionelle Studioaufnahmen, aber es ist einfacher, als es klingt:
- Das Hauptlicht (Key Light): Dies ist die wichtigste Lichtquelle. Sie sollte etwa 45 Grad seitlich und leicht erhöht zum Modell positioniert sein. Hier stellst du die Intensität und die Richtung ein, um die Hauptformung zu erzielen (siehe Abschnitt Lichtrichtung).
- Das Fülllicht (Fill Light): Dieses Licht dient dazu, die tiefen Schatten, die das Hauptlicht wirft, aufzuhellen. Es wird auf der gegenüberliegenden Seite platziert und ist in der Regel weniger stark eingestellt als das Hauptlicht. Du benutzt es, um Kontraste zu reduzieren. Wenn du kein zweites Licht hast, funktioniert hier auch ein Reflektor sehr gut.
- Das Haar-/Randlicht (Hair Light oder Kicker): Dieses dritte Licht wird meistens von hinten oder leicht seitlich hinter das Modell gestellt. Es trennt die Person vom Hintergrund und gibt dem Haar Glanz. Das ist ein toller Trick, um das Bild dreidimensionaler wirken zu lassen und die Porträtfotografie mit mehr Tiefe zu gestalten.
Häufig gestellte Fragen
Wie merke ich mir die Lichtrichtungen am besten?
Stell dir vor, die Sonne steht an verschiedenen Stellen am Himmel. Experimentiere im Alltag: Fotografiere jemanden morgens, mittags und abends. Halte die Kamera und beobachte, wie sich die Schatten verändern, wenn die Person nur einen Schritt nach links oder rechts geht. Das trainiert dein Auge für die beste Lichtführung für Porträts.
Muss ich immer einen Reflektor kaufen?
Nein, unbedingt nicht. Am Anfang reicht oft eine große weiße Styroporplatte vom Baumarkt, die Rückseite eines weißen T-Shirts oder eine helle Wand in der Nähe des Motivs. Ein Reflektor hilft dir, das vorhandene Licht einzufangen und in die dunklen Bereiche zu lenken, um harte Schatten aufzuhellen.
Welcher Hintergrund passt gut zu hellem Licht?
Zu hellem, weichem Licht passen meist dunklere oder neutrale Hintergründe. Das hilft deinem Modell, sich vom Bild abzuheben. Ist das Licht sehr hell und dramatisch, kannst du auch einen hellen, strukturreichen Hintergrund wählen, um die Kontraste im Bild zu erhöhen. Wichtig ist, dass der Hintergrund die Aufmerksamkeit nicht vom Gesicht ablenkt.



