Du stehst vor deiner Kamera, vielleicht ist es eine brandneue Spiegelreflex oder einfach dein Smartphone, und fragst dich: Was soll ich eigentlich fotografieren? Die Welt der Fotografie ist riesig, und es kann leicht passieren, dass du dich verloren fühlst, wenn du versuchst herauszufinden, welche Richtung dir wirklich liegt. Diese große Frage – „Welche arten von fotografie gibt es eigentlich?“ – beschäftigt fast jeden, der mit dem Fotografieren beginnt. Keine Sorge, ich erkläre dir ganz in Ruhe, welche Wege du einschlagen kannst und was die verschiedenen Genres wirklich ausmacht. Setz dich, nimm dir einen Moment Zeit. Wir schauen uns das gemeinsam an.
Der erste Schritt: Die große Landschaft der Fotografie verstehen
Fotografie ist mehr als nur das Klicken des Auslösers. Es ist eine Sprache. Und wie jede Sprache hat sie verschiedene Dialekte und Fachgebiete. Wenn du versuchst, dich sofort festzulegen, machst du es dir unnötig schwer. Am Anfang ist es völlig normal, einfach alles auszuprobieren. Aber wenn du weißt, welche Kategorien es gibt, kannst du gezielter üben und dir die Ausrüstung vielleicht besser aussuchen, die du für dein liebstes Hobby brauchst.
Die Klassiker: Wo die meisten anfangen
Es gibt ein paar Bereiche, die fast jeder kennt, weil sie uns täglich begegnen. Diese Genres sind oft ein guter Startpunkt, um die Grundlagen von Licht und Komposition zu lernen.
Porträtfotografie: Den Menschen einfangen
Wenn du gerne mit Menschen arbeitest und deren Persönlichkeit festhalten möchtest, ist die Porträtfotografie dein Bereich. Hier geht es nicht nur darum, jemanden hübsch abzulichten. Du versuchst, einen Charakterzug, eine Stimmung oder eine Beziehung einzufangen. Fragst du dich, wie du Emotionen besser in deinen Bildern zeigst? Das ist das Herzstück der Porträts.
- Studio-Porträts: Hier hast du die volle Kontrolle über Licht und Hintergrund. Alles ist geplant.
- Outdoor-Porträts: Du nutzt das natürliche Licht der Umgebung, was oft für eine natürlichere Stimmung sorgt.
- Headshots: Kurze, präzise Aufnahmen, oft für berufliche Zwecke genutzt.
Tipp für den Anfang: Konzentriere dich bei deinen ersten Versuchen nur auf die Augen deines Modells. Wenn die Augen scharf sind und „leben“, steht und fällt das ganze Bild.
Landschaftsfotografie: Natur in ihrer Pracht

Du liebst lange Wanderungen und das Licht des frühen Morgens? Dann ziehst du wahrscheinlich zur Landschaftsfotografie hin. Hier geht es darum, die Weite und Erhabenheit der Natur festzuhalten. Du lernst, wie du Tiefe erzeugst und wie du mit langen Belichtungszeiten das Wasser weich zeichnest.
Die Herausforderung bei der Landschaftsfotografie ist oft die Dynamik des Lichts. Die „Goldene Stunde“ – die Zeit kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang – ist hier dein bester Freund, weil das Licht dann weich und farbenreich ist. Wenn du dich fragst, welche Objektive sich für weite Ausblicke eignen, dann schau dir Weitwinkelobjektive an. Sie helfen dir, alles ins Bild zu bekommen.
Makrofotografie: Das Unsichtbare sichtbar machen
Wenn dich das Kleine fasziniert, dann ist Makrofotografie spannend für dich. Hier fotografierst du winzige Dinge wie Insekten, Tautropfen oder die Textur eines Blattes in Lebensgröße oder sogar größer. Es ist eine Welt, die unser bloßes Auge meist übersieht.
Der schwierigste Teil hierbei ist die Schärfentiefe. Sie ist extrem gering, das heißt, nur ein winziger Teil deines Motivs ist scharf. Du musst sehr nah ran und präzise fokussieren, um tolle Ergebnisse in der Nahaufnahme zu erzielen.
Wenn es um Aktion geht: Dynamische Fotogenres
Nicht jedes Motiv verharrt still. Manche Bereiche der Fotografie fordern deine Reaktionsgeschwindigkeit und dein technisches Know-how heraus, um Bewegung einzufrieren oder kreativ darzustellen.
Sportfotografie: Schnelligkeit einfrieren
Sportfotografie ist Adrenalin pur. Du musst blitzschnell reagieren und die Kamera so einstellen, dass selbst der schnellste Sprint oder der härteste Schlag scharf wird. Hier brauchst du oft eine Kamera, die schnell fokussiert und viele Bilder pro Sekunde aufnimmt.
Wenn du oft Bilder siehst, bei denen die Bewegung stoppt, spricht man vom „Einfrieren“ der Aktion. Dafür stellst du eine sehr kurze Verschlusszeit ein. Wenn du aber gezielt Bewegungsunschärfe nutzen möchtest, um Dynamik zu zeigen (Panning-Technik), wählst du eine längere Verschlusszeit und schwenkst mit dem Motiv mit.
VIDEO: Fotografieren lernen in 5 Minuten – Kamera – Bedienung verstehen
Tierfotografie (Wildlife): Geduld wird belohnt
Tierfotografie, besonders wenn es um wilde Tiere geht (Wildlife), ist eine Mischung aus Geduld und Technik. Du musst die Verhaltensweisen der Tiere kennen, um zu wissen, wann der beste Moment kommt. Hier ist Abstand oft wichtig, weshalb lange Teleobjektive Standard sind.
Bist du eher der Typ für Haustiere? Dann fällt das unter Haustierfotografie, was oft entspannter ist, weil du das Tier besser beeinflussen kannst. Aber auch hier gilt: Warte auf den perfekten Ausdruck, nicht nur auf das Pose.
Zusätzliche Informationen
Erweitere dein Verständnis von Arten der Fotografie: Ein umfassender Überblick mit diesen sorgfältig ausgewählten Lesestücken.
- Content-Arten und -Formate: Ein umfassender Überblick
- Kunstfotografie: Analyse, Techniken und Beispiele (Kunst) – Knowunity
Action und Reportage: Die Geschichte im Moment
Die Reportagefotografie erzählt eine Geschichte durch eine Serie von Bildern. Sie begleitet Ereignisse, soziale Situationen oder Reisen. Es ist das ehrliche Festhalten der Realität. Dokumentarfotografie ist ähnlich, hat aber oft einen ernsteren, investigativen Charakter.
Im Gegensatz zur gestellten Porträtfotografie ist hier das Unerwartete der Reiz. Du arbeitest oft mit vorhandenem Licht und musst dich schnell an wechselnde Bedingungen anpassen. Viele Anfänger fühlen sich hier angesprochen, weil sie das Gefühl haben, die Welt um sich herum dokumentieren zu wollen.
Die Welt hinter der Linse: Technische und künstlerische Spezialgebiete
Neben den Themen (was fotografiert wird) gibt es auch Bereiche, die sich stark auf die Art und Weise konzentrieren, wie etwas fotografiert wird.
Architektur- und Interieurfotografie: Linien und Räume
Architekturfotografie ist die Kunst, Gebäude und Bauwerke darzustellen. Hier sind gerade Linien dein größter Feind und Freund zugleich. Wenn die Linien eines Gebäudes im Bild schief aussehen, wirkt das Bild sofort unruhig. Deshalb nutzen viele Profis spezielle Tilt-Shift-Objektive, mit denen sie die Perspektive korrigieren können, ohne das Stativ neigen zu müssen.
Interieurfotografie beschäftigt sich mit Innenräumen. Hier kämpfst du oft gegen schwierige Lichtverhältnisse, weil Fenster helles Licht hereinlassen und Ecken sehr dunkel sind. Du lernst hier viel über Belichtungsreihen, um später in der Nachbearbeitung alles optimal zusammenzumischen.
Abstrakte Fotografie und Fine Art: Mehr als nur Abbildung
Wenn du denkst, Fotografie muss immer etwas Abgebildetes zeigen, dann lerne die abstrakte Fotografie kennen. Hier geht es darum, Formen, Farben, Muster und Texturen in den Vordergrund zu stellen. Das Motiv selbst wird fast nebensächlich.
Fine Art Fotografie ist ebenfalls ein sehr subjektives Feld. Hier dient das Bild dem Ausdruck des Künstlers, oft mit viel Nachbearbeitung. Es muss nicht realistisch sein. Wenn du dich fragst, ob deine Fotos „Kunst“ sind, dann bist du auf dem Weg zur Fine Art. Es geht darum, deine persönliche Vision zu teilen.
Astrofotografie: Blicke in die Unendlichkeit
Dies ist wohl eine der technisch anspruchsvollsten Arten der Fotografie. Astrofotografie bedeutet, Sterne, Galaxien oder den Mond abzulichten. Du brauchst dafür meist eine Kamera, die lange Belichtungszeiten verträgt, ein sehr lichtstarkes Objektiv und oft eine spezielle Nachführung (eine Montierung), die der Erdrotation folgt, damit die Sterne als Punkte und nicht als Striche erscheinen.
Wenn du gerade erst anfängst und denkst, du brauchst eine Profiausrüstung, um den Nachthimmel zu fotografieren: Versuch es mal mit einer Langzeitbelichtung deines Smartphones auf einem Stativ. Manchmal sind die Ergebnisse erstaunlich gut, um ein Gefühl für das Thema zu bekommen.
Wie findest du DEINEN Stil?
Nachdem wir jetzt viele verschiedene Arten von Fotografie durchgesprochen haben, fragst du dich vielleicht, wie du den einen Bereich findest, der dich wirklich begeistert. Das ist der spannendste Teil.
Dein Stil entsteht oft aus der Schnittmenge deiner Interessen und den technischen Möglichkeiten der Fotografie. Wenn du gerne im Wald bist, probiere Landschaft und Makro. Wenn du gerne Menschen beobachtest, versuche Street-Fotografie (die ungeplante Dokumentation des Alltags in der Stadt) oder Porträts.
Das Wichtigste ist: Sei nicht zu streng mit dir. Jeder Profi hat mit Anfängerfehlern gekämpft. Heute fotografierst du vielleicht viel lieber Architektur, aber gestern hast du stundenlang heimlich Vögel im Garten abgelichtet – und das war gut so! Jede Übung hilft dir, dein Auge zu schärfen und besser zu verstehen, wie Licht fällt und wie du deine Kamera bedienen musst.
Experimentiere mit den Einstellungen. Verstelle bewusst mal die Verschlusszeit, wenn du eine Bewegung fotografierst, oder wechsle das Objektiv, um zu sehen, wie sich die Bildwirkung ändert. So findest du heraus, welche Geschichten du am liebsten mit deinem Objektiv erzählen möchtest.



