Ein Zimmer, das in Wirklichkeit gemütlich wirkt, sieht auf dem Foto oft leer und schief aus. Das liegt selten an der Kamera. Es liegt daran, dass ein Katalogbild nach ganz anderen Regeln gebaut wird als der Raum, in dem man tatsächlich wohnt.
Die Kamera sieht weniger als Ihr Auge
Das menschliche Auge gleicht Helligkeitsunterschiede laufend aus. Eine Kamera kann das nicht: Entweder das Fenster ist korrekt belichtet und der Raum säuft ab, oder umgekehrt. Deshalb wird in der Innenraumfotografie fast immer mit mehreren Belichtungen gearbeitet und anschließend zusammengesetzt. Wer das nicht tut, fotografiert am besten an einem hellen, bedeckten Tag — dann ist der Unterschied zwischen drinnen und draußen am kleinsten.
Höhe und Linien
Die häufigste Ursache für schiefe Bilder ist die Kamerahöhe. Aus Augenhöhe eines stehenden Menschen kippen die senkrechten Linien nach hinten. Katalogfotos entstehen fast immer auf etwa 1,20 Meter, also auf Höhe der Tischplatte, mit exakt waagerechter Kamera. Ein Stativ mit Wasserwaage bringt hier mehr als jedes Objektiv.
Zweitens: Weitwinkel unterhalb von 24 Millimetern verzerrt die Ränder so stark, dass Möbel auseinandergezogen wirken. Lieber einen Schritt zurücktreten und eine normale Brennweite verwenden.
Was im Bild sein muss
Ein leerer Raum wirkt auf dem Foto nicht großzügig, sondern unbewohnt. Es braucht drei Ebenen: etwas Großes im Hintergrund, etwas Mittleres in der Mitte, und einen kleinen Gegenstand nah an der Kamera. Genau dafür stehen in Katalogbildern die scheinbar beiläufigen Objekte — eine Schale, eine Vase, ein Buch.
Solche Stücke lohnt es sich anzuschaffen, wenn Sie regelmäßig fotografieren. Bei kleinere Dekorationsobjekte finden sich Gegenstände in genau der Größenordnung, die im Vordergrund funktioniert, ohne den Blick zu verstellen.
Farbe: eine Lichtquelle gewinnt
Mischen Sie kein Tageslicht mit warmem Kunstlicht. Entweder alle Lampen aus und nur Fensterlicht, oder abends alle Vorhänge zu und ausschließlich Kunstlicht. Sonst bekommen Sie zwei Farbtemperaturen im selben Bild, und kein Weißabgleich rettet das.
Zum Schluss: das Zimmer für die Kamera einrichten
Profis räumen vor dem Shooting rund ein Drittel der Gegenstände weg und stellen den Rest neu. Was übrig bleibt, wird bewusst gruppiert — meist in ungeraden Zahlen und mit unterschiedlichen Höhen. Wer dafür Nachschub sucht, wird bei ein Shop für Wohndekoration fündig; für die Fotografie sind matte Oberflächen dabei deutlich dankbarer als glänzende, weil sie keine Lampen spiegeln.
Und danach: alles wieder zurückstellen. Ein Raum, der gut fotografiert, ist nicht automatisch ein Raum, in dem man gern sitzt.