Du stehst vor deinem Objektiv und überlegst, diesen nächsten Schritt in der Fotografie zu wagen: die Infrarotfotografie. Vielleicht hast du schon beeindruckende, fast surreal wirkende Schwarz-Weiß-Bilder gesehen, auf denen Laub strahlend weiß leuchtet und Himmel tief dunkel ist. Das ist oft das Ergebnis eines speziellen Werkzeugs: des Infrarotfotografie Filters. Wahrscheinlich fragst du dich jetzt: Was genau macht dieser Filter? Brauche ich wirklich einen extra Filter, oder geht das auch anders? Lass uns ganz entspannt zusammensetzen und ich erkläre dir, wie diese kleinen Glasstücke deine Welt im Infrarotbereich verändern und welche Entscheidungen du treffen musst, wenn du mit deinem Infrarot fotografie filter starten willst.
Was Infrarotfotografie überhaupt ist und warum du einen Filter brauchst
Licht ist nicht gleich Licht. Was deine Augen sehen, ist nur ein kleiner Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums. Hinter dem sichtbaren Licht kommt das Infrarotlicht, das wir normalerweise als Wärme empfinden. Die meisten Kameras können dieses Infrarotlicht (IR) zwar aufzeichnen, aber ihr eingebauter Filter blockiert den Großteil davon, damit deine Bilder natürlich aussehen. Bei der Infrarotfotografie drehst du das um: Du willst genau dieses unsichtbare Licht einfangen.
Hier kommt der Infrarotfilter ins Spiel. Er funktioniert wie eine sehr spezielle Sonnenbrille für deine Kamera. Er blockiert fast das gesamte sichtbare Licht – alles, was du normal sehen kannst – und lässt nur die gewünschte Infrarotstrahlung durch. Stell dir vor, du setzt eine extrem dicke, dunkelrote oder fast schwarze Brille auf, die nur die „unsichtbaren“ Strahlen passieren lässt. Ohne diesen Filter würde deine Kamera einfach ein viel zu helles, weißes Bild aufnehmen, weil viel zu viel sichtbares Licht durchkommt.
Die Magie des Effekts: Was du veränderst
Der Hauptgrund, warum Fotografen diese Filter nutzen, liegt in der Reaktion der Materie auf Infrarotlicht. Das ist der spannende Teil. Dinge, die für unsere Augen grün oder blau erscheinen, reagieren im nahen Infrarotbereich (NIR), den wir meistens nutzen, völlig anders. Die wichtigsten Effekte, die du mit deinem Infrarot fotografie filter erzielst, sind:
- Laub wird weiß: Chlorophyll in Pflanzen reflektiert Infrarotlicht extrem stark. Deshalb wird grünes Laub auf deinen Fotos fast strahlend weiß leuchten, ein Effekt, der oft als „Wood-Effekt“ bezeichnet wird.
- Himmel wird dunkel: Im Gegensatz zu sichtbarem Licht wird der blaue Himmel im IR-Bereich absorbiert oder streut viel weniger. Das Ergebnis ist oft ein sehr dunkler, fast schwarzer Himmel, der einen dramatischen Kontrast zu den weißen Wolken und dem weißen Laub bildet.
- Haut wirkt glatt: Wasser und Fett in unserer Haut absorbieren IR-Licht anders als sichtbares Licht. Das kann dazu führen, dass Hauttöne weicher und feiner erscheinen.
- Wasser wird transparent: Wasserflächen absorbieren IR-Licht stark, weshalb Seen oder Flüsse auf deinen Bildern oft dunkel oder sogar durchsichtig wirken können.
Welchen Infrarot fotografie filter soll ich kaufen? Die gängigen Typen

Wenn du dich umschaust, wirst du feststellen, dass es nicht nur den einen IR-Filter gibt. Die Filter unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, wie viel Licht sie durchlassen und welche Wellenlänge genau passieren darf. Die Wahl deines Filters bestimmt maßgeblich den Look deines Endergebnisses. Wenn du deinen ersten Infrarot fotografie filter suchst, wirst du wahrscheinlich auf diese Bezeichnungen stoßen. Ich erkläre dir, was dahintersteckt, damit du dich orientieren kannst.
Der „Allrounder“: 720nm Filter
Der 720nm Filter ist der beliebteste Einstiegspunkt für die Infrarotfotografie. Die Zahl 720 steht für die Wellenlänge in Nanometern (nm). Dieser Filter blockiert fast alles Licht unter 720nm. Das bedeutet, er lässt viel sichtbares, rotes Licht durch, aber hauptsächlich das nahe Infrarot. Das Resultat ist meist ein schönes, kontrastreiches Schwarz-Weiß-Bild mit dramatischen dunklen Himmeln und leuchtendem Laub. Du siehst durch den Sucher deiner Kamera noch eine leichte rötliche Tönung, was die Bildkomposition etwas erleichtert.
VIDEO: HERE is what a 590nm Infrared Filter looks like #photography
Für den dramatischen Look: 850nm Filter
Wenn du einen noch stärkeren „Geistereffekt“ wünschst, bei dem fast kein sichtbares Licht mehr durchkommt, wählst du den 850nm Filter. Dieser Filter lässt nur noch sehr kurzwelliges Infrarot durch. Das Bild, das du durch den Sucher siehst, ist extrem dunkel, fast pechschwarz. Du musst fast vollständig auf Live-View und eine präzise Belichtungsmessung verlassen. Dafür erhältst du einen sehr hohen Kontrast und extrem dunkle Himmel, was oft zu den beeindruckendsten Schwarz-Weiß-IR-Bildern führt.
Informative Quellen
Sammle tiefgehende Einblicke zu Infrarot fotografie filter mit dieser Liste von Links.
Der ungewöhnliche Weg: Visible Light Blocking Filter (z. B. Rotfilter)
Manche Fotografen arbeiten auch mit extrem dicken Rotfiltern, wie dem 665nm oder 700nm Filter. Diese lassen noch mehr sichtbares Rot durch, was manchmal zu einem leicht farbigen Ergebnis führt. Wenn du diesen Filter verwendest, kannst du später in der Nachbearbeitung interessante Falschfarben-Effekte erzeugen, indem du die Farbkanäle im RAW-Konverter vertauschst. Das ist eine spannende Alternative, wenn du nicht nur reines Schwarz-Weiß möchtest und deinen Infrarot fotografie filter flexibel nutzen willst.
Praxistipps: So nutzt du deinen neuen Infrarotfilter richtig
Einen Filter vor die Linse zu schrauben ist einfach. Aber die Infrarotfotografie erfordert ein Umdenken bei der Belichtung und Fokussierung. Hier sind die wichtigsten Dinge, die du beachten musst, wenn du das erste Mal mit deinem neuen Infrarot fotografie filter unterwegs bist.
Fokussieren wird zur Herausforderung
Das ist der Punkt, an dem viele Anfänger ins Schwitzen kommen. Da der Filter das sichtbare Licht blockiert, sieht deine Kamera durch den Filter hindurch anders als du. Der Autofokus deiner Kamera kann oft komplett versagen, weil er nur noch Dunkelheit sieht oder die falschen Kontraste interpretiert.
Mein Tipp für dich: Fokussiere immer zuerst ohne den Infrarot fotografie filter. Nutze den besten Kontrastpunkt in deinem Motiv, stelle manuell scharf und merke dir die Entfernung. Oder: Wechsle in den Live-View-Modus, halte den Filter davor und fokussiere dort manuell, indem du die Darstellung stark vergrößerst, bis das Motiv scharf erscheint. Wenn du mehr über die Kontrolle und Kreativität erfahren möchtest, die mit ND-Filtern einhergehen, lies diesen ND-Filter für Fotografie.
Wichtig: Nachdem du fokussiert hast, halte diese Einstellung unbedingt fest! Bei den meisten Filtern (besonders 720nm und 850nm) musst du auf manuellen Fokus (MF) wechseln, damit die Kamera nicht versucht, neu zu fokussieren.
Belichtung: Alles wird dunkler
Da der Filter das meiste Licht aussperrt, musst du deine Belichtungszeit dramatisch verlängern. Was bei Tageslicht normalerweise 1/250 Sekunde wäre, kann mit einem 720nm Filter leicht zwei bis vier Sekunden oder länger dauern. Mit einem 850nm Filter reden wir oft von Belichtungszeiten von 15 Sekunden oder mehr, selbst an einem sonnigen Tag.
Was bedeutet das praktisch? Du brauchst ein stabiles Stativ. Ohne Stativ wirst du nur verschwommene Bilder erhalten. Nutze unbedingt einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser deiner Kamera, um Verwacklungen beim Auslösen zu vermeiden.
Der Weg zur Schwarz-Weiß-Umwandlung
Die meisten Kameras speichern das, was der Infrarot fotografie filter durchlässt, als eine Art stark getöntes, dunkles Bild ab. Wenn du mit RAW fotografierst, was ich dir für diesen Filter dringend empfehle, hast du später maximale Flexibilität in der Nachbearbeitung. Die reine Schwarz-Weiß-Konvertierung ist hier nur der Anfang.
Beim Bearbeiten geht es darum, die Informationen, die der IR-Filter geliefert hat, in einen sichtbaren Kontrast zu verwandeln. Du musst die Helligkeitswerte der einzelnen Farbkanäle (Rot, Grün, Blau) manuell anpassen, um den berühmten Wood-Effekt zu erzeugen. Das ist der Moment, in dem das weiße Laub und der dunkle Himmel entstehen. Hab keine Angst vor extremen Einstellungen in der Gradationskurve; hier darfst du richtig Gas geben.
Kamera umbauen lassen oder Filter nutzen?
Das ist eine häufige Frage, wenn man sich intensiver mit dem Thema beschäftigt und einen hochwertigen Infrarot fotografie filter erworben hat. Es gibt zwei Hauptwege, die Infrarotfotografie zu betreiben:
- Kameraumbau: Du lässt den internen IR-Sperrfilter deiner Kamera professionell entfernen und durch einen speziellen IR-Passfilter ersetzen. Diese Kameras können dann ohne externen Filter IR-Bilder aufnehmen, allerdings sind sie durch den fehlenden Sperrfilter für normale Fotografie nicht mehr ideal.
- Filter vor die Linse: Du kaufst deinen Infrarot fotografie filter und nutzt ihn mit deiner normalen Kamera. Das ist flexibler, weil du jederzeit zwischen normaler und IR-Fotografie wechseln kannst.
Für den Einstieg und die Flexibilität rate ich dir immer zum externen Filter. Du kannst denselben Filter an verschiedenen Objektiven nutzen (mittels Adapterringen) und deine Hauptkamera bleibt für normale Aufträge einsatzbereit. Wenn du merkst, dass du wirklich nur noch IR fotografierst, kannst du später immer noch über einen Kamerumbau nachdenken. Dein erster Infrarot fotografie filter ist eine Investition, die du ohne Einschränkung deiner normalen Ausrüstung tätigen kannst.



