Du stehst vor deiner Kamera und möchtest Bilder aufnehmen, die anders sind? Du suchst nach einer neuen künstlerischen Richtung, vielleicht nach einem Weg, menschliche Gesichter auf eine Weise einzufangen, die tiefer geht als das normale sichtbare Licht? Dann ist Infrarot Fotografie Portrait genau das, was dich jetzt interessiert. Vielleicht hast du schon die geheimnisvollen, fast unwirklichen Bilder mit dem strahlend weißen Laub gesehen und denkst: Das ist kompliziert. Lass mich dir sagen: Es ist faszinierend, zugänglicher, als du denkst, und es eröffnet dir eine ganz neue Welt der Porträtkunst.
Was macht Infrarot Fotografie portrait so besonders?
Wenn wir fotografieren, nutzen wir normalerweise das sichtbare Licht. Das ist das Licht, das deine Augen sehen können. Infrarot (IR) Licht liegt außerhalb dieses Spektrums, es ist „heißeres“ Licht, das wir nicht direkt sehen. Wenn du dein Motiv – also dein Modell – mit Infrarot beleuchtest, reagieren Materialien ganz anders als gewohnt. Chlorophyll in Pflanzen zum Beispiel reflektiert IR-Licht extrem stark, es leuchtet fast weiß. Aber was bedeutet das für ein menschliches Gesicht?
Haut und Haare absorbieren Infrarotlicht oft anders als sichtbares Licht. Das Ergebnis: Deine Hautstruktur wirkt weicher, Poren und feine Linien treten weniger hervor. Falten, die unter normalem Licht deutlich sichtbar sind, verschwinden oft fast vollständig. Das schafft einen sehr ätherischen, fast überirdischen Look für deine Infrarot Fotografie Portrait Aufnahmen. Du betonst die Grundform, die Struktur des Gesichts, nicht die oberflächlichen Details.
Die Wahl der richtigen Ausrüstung für den Einstieg
Der größte Stolperstein für viele, die mit dem Gedanken spielen, Infrarot Porträts zu machen, ist die Ausrüstung. Muss ich mir eine brandneue Kamera kaufen? Nicht unbedingt. Es gibt grundsätzlich zwei Wege, wie du in dieses Feld einsteigst.
- Filter vor der Linse: Das ist der einfachste und oft günstigste Weg. Du kaufst einen speziellen Infrarot-Filter, zum Beispiel einen 720nm oder 850nm Filter, und schraubst ihn vor dein normales Objektiv. Der Filter blockiert das sichtbare Licht fast komplett und lässt nur das IR-Licht durch. Der Nachteil: Du siehst durch den Sucher oder auf den Monitor fast nichts mehr. Du fotografierst im Prinzip blind.
- Kamera-Umrüstung: Einige Kameras lassen sich intern umbauen. Dabei wird der interne UV/IR-Sperrfilter vor dem Sensor entfernt und durch einen Filter ersetzt, der spezifisch Infrarot durchlässt. Das ist teurer, aber du kannst leichter komponieren, weil du mehr Licht auf dem Sensor hast.
Wenn du dich für den Filter-Weg entscheidest – was für den Anfang perfekt ist –, musst du wissen, dass die Verschlusszeiten viel länger werden. Dein Modell muss stillhalten können. Das ist wichtig für entspannte Infrarot Porträt Sitzungen.
Licht und Belichtung: Dein wichtigstes Werkzeug
Im sichtbaren Bereich ist Sonne gleich Sonne. In der Infrarot Fotografie ist die Lichtquelle alles entscheidend. Die Sonne ist dein bester Freund, besonders wenn sie hoch steht, aber der Himmel ist klar. Warum? Weil direktes Sonnenlicht viel IR-Strahlung mitbringt.
Aber Vorsicht: Wenn du draußen fotografierst und die Sonne direkt ins Gesicht deines Modells scheint, kann das sehr hart werden. Denke daran, wie Haut auf IR reagiert. Wähle weicheres Licht, wenn du die Textur glätten willst. Weitere Tipps für gelungene Porträts findest du in unserem Beitrag Portraitfotografie-Tipps für bessere Bilder.
Indoor-Fotografie mit Infrarot – geht das?

Ja, aber es wird schwierig. Die meisten normalen Lampen emittieren kaum IR-Licht im Vergleich zur Sonne. Wenn du deine Infrarot fotografie portrait Arbeit nach drinnen verlagern willst, brauchst du spezielle IR-Strahler oder sehr starke Halogenlampen. Das ist oft unpraktisch und die Beleuchtung wirkt künstlich. Die besten Ergebnisse erzielst du anfangs definitiv draußen.
Mein Tipp für dich, wenn du den Filter benutzt: Nutze die Zeit kurz vor Sonnenuntergang, wenn das sichtbare Licht schon weich wird, aber noch genug IR-Strahlung vorhanden ist. Oder fotografiere an einem leicht bewölkten Tag. Das Streulicht reduziert harte Schatten und gibt dir eine sanftere Beleuchtung für das Gesicht deines Modells.
Der Umgang mit dem Modell: Dein Schlüssel zum Erfolg
Hier kommt der menschliche Aspekt ins Spiel. Wenn du einen starken IR-Filter nutzt, sieht dein Modell durch den Sucher nur ein dunkles Bild. Das kann verunsichern. Du musst dem Menschen vor der Kamera klar machen, was passiert und warum es so aussieht.
Erkläre es ihm einfach:
- „Wir fotografieren heute mit Licht, das deine Augen nicht sehen können.“
- „Deshalb sieht die Kamera gerade fast schwarz, aber keine Sorge, es wird fantastisch.“
- „Ich brauche jetzt eine Sekunde, um die Belichtung einzustellen, du kannst dich entspannen.“
Da die Belichtungszeiten oft länger sind, ist Ruhe wichtig. Wenn dein Modell merkt, dass du Zeit brauchst, entspannt es sich und die Posen wirken natürlicher. Es ist oft besser, weniger, aber dafür sehr bewusste Posen zu machen, anstatt viele schnelle Aufnahmen wie bei normalem Licht.
VIDEO: INFRAROT FOTOGRAFIE – Erste Schritte
Nützliche Websites
Hier ist eine kuratierte Liste von Links, die dir alles über Infrarot Fotografie Porträts: Tipps und Techniken verrät.
- Schärfe bei Infrarot-Bildern – Einbildung oder Tatsache?
- Tipps, Tricks und Techniken für Fotografie | Adobe
Die richtige Nachbearbeitung für den typischen Infrarot-Look
Keine Infrarot-Aufnahme ist fertig, bevor sie durch Lightroom oder Photoshop gegangen ist. Der RAW-Konverter zeigt dir zunächst ein fast schwarz-weißes Bild mit oft seltsam verteilten Tönen. Das ist normal. Dein Hauptziel in der Bearbeitung ist der sogenannte „Falschfarben-Wechsel“ oder die Umwandlung in ein monochromes Bild.
Hier sind die Schritte, die du fast immer durchführen musst, um tolle Infrarot fotografie portrait Ergebnisse zu erzielen:
- Weißabgleich korrigieren: Der automatische Weißabgleich funktioniert im IR-Bereich nicht. Du musst manuell einen neutralen Bereich (z.B. einen grauen Stein) finden oder den Kanalmixer nutzen, um die Farbinformationen anzupassen. Viele nutzen den Kanalmixer, um Rot- und Blaukanäle zu tauschen, was den typischen Himmel-Look (oft tiefblau oder fast schwarz) erzeugt.
- Kontrast anpassen: IR-Bilder wirken oft sehr flach. Erhöhe den Kontrast, aber achte darauf, die weiche Hautstruktur nicht wieder zu zerstören.
- Kanalmixer nutzen (für Farbe oder S/W): Wenn du ein Schwarz-Weiß-Bild möchtest, steuerst du hier, wie hell oder dunkel bestimmte Farben im sichtbaren Spektrum dargestellt werden sollen, die im IR-Licht „eingefangen“ wurden. Das gibt dir volle Kontrolle über die Darstellung von Haut und Haaren.
Denke immer daran: Beim Porträt geht es darum, die Augen leuchten zu lassen. Selbst wenn die Haut weich ist, müssen die Augen der Fokuspunkt bleiben. Oft musst du die Augen in der Nachbearbeitung etwas aufhellen, da sie tendenziell dunkler wirken als im sichtbaren Licht.
Herausforderungen bei der Infrarot Fotografie mit Menschen
Du wirst auf Probleme stoßen, und das ist gut so, denn das bedeutet, du lernst. Hier sind zwei klassische Stolpersteine, die dir beim Infrarot Porträt begegnen werden:
Sonnenbrillen und helle Kleidung
Wenn dein Modell eine Sonnenbrille trägt, ist das Bild meist ruiniert. Die Gläser reflektieren Infrarotlicht extrem stark, und du siehst oft nur zwei leuchtend weiße Flecken, wo die Augen sein sollten. Das lenkt massiv ab und zerstört den intimen Blick, den du suchst.
Helle Kleidung, besonders Weiß, kann ebenfalls sehr stark leuchten und das Gesicht fast überstrahlen. Wenn du dunkle, matte Kleidung wählst, unterstützt das die Konzentration auf das Gesicht und die Hände.
Unnatürliche Hauttöne vermeiden
Manche Leute sehen auf Infrarotbildern ungesund oder wachsartig aus, weil die natürliche Textur fehlt. Das ist der Punkt, an dem du entscheiden musst: Willst du einen fotorealistischen Look, oder möchtest du den ätherischen, künstlerischen Effekt?
Wenn du den ätherischen Look möchtest, sei mutig mit der Nachbearbeitung. Wenn du näher am Realismus bleiben willst, reduziere den Kontrast in den Hautpartien und nutze das sanfteste Licht, das du finden kannst. Experimentiere mit verschiedenen Infrarot-Wellenlängen (z.B. 590nm für mehr Farbeffekte, 850nm für fast reines S/W). Die Wahl der Wellenlänge beeinflusst, wie stark die Haut ihre Textur verliert.



